Ein überraschender Expansionsplan aus Japan hat die monatelange Kursrallye des Speicherherstellers Seagate Technology jäh unterbrochen. Am Freitag sackte das Papier um 10 % ab und ging bei 754,00 € aus dem Handel. Der Grund für den Abverkauf liegt in wachsenden Sorgen vor einem künftigen Preiskampf bei Massenspeichern für Rechenzentren.
Toshiba forciert Kapazitätsausbau auf den Philippinen
Auslöser der Verkaufswelle war ein Bericht der Zeitung Nikkei über weitreichende Ausbaupläne des Konkurrenten Toshiba. Demnach plant der japanische Konzern, seine Produktionskapazitäten für Festplatten im Geschäftsjahr 2027 zu verdoppeln. Dafür sollen rund 60 Milliarden Yen in ein Werk auf den Philippinen investiert werden.
Toshiba zielt damit direkt auf den boomenden Markt für Festplatten ab, die in Rechenzentren für Künstliche Intelligenz eingesetzt werden. Bislang hält das Unternehmen nach Speicherkapazität einen Marktanteil von gut 10 %.
Mittelfristig peilt das Management jedoch einen Anteil von 30 % an. Marktteilnehmer befürchten nun, dass ein solches zusätzliches Angebot die bisherige Knappheit beenden und die starke Preissetzungsmacht der etablierten Anbieter schwächen könnte.
Volle Auftragsbücher relativieren die Wettbewerbsängste
Analysehäuser beurteilen die tatsächliche Bedrohung für Seagate allerdings zurückhaltend. Citi-Analystin Asiya Merchant betonte, dass Toshiba bei wesentlichen Komponenten wie Medien und Schreib-Lese-Köpfen von externen Zulieferern abhängig ist. Diese Zulieferer müssten ihre eigenen Kapazitäten erst langwierig ausbauen, was den zusätzlichen Ausstoß an Speichervolumen spürbar begrenzen dürfte.
Evercore-Analyst Amit Daryanani verwies zudem auf die langfristige Absicherung der US-Hersteller. Die Liefermengen von Seagate seien für die kommenden Jahre bereits weitgehend durch bestehende Kundenverträge gebunden. Ein Aufbau neuer Fertigungslinien im Festplattensektor nimmt erfahrungsgemäß mindestens 12 bis 18 Monate in Anspruch. Mögliche Effekte auf die Marktpreise dürften sich daher kaum kurzfristig bemerkbar machen.
Hohe Auslastung durch den KI-Infrastrukturboom
Trotz des jüngsten Rücksetzers verzeichnet die Aktie seit Jahresanfang weiterhin ein Kursplus von 218 %. Seagate profitiert unverändert vom rasanten Ausbau globaler KI-Rechenzentren, die gigantische Datenmengen kostengünstig sichern müssen. Traditionelle Festplatten bieten gegenüber schnellem Flash-Speicher weiterhin einen erheblichen Preisvorteil bei extrem großen Speichervolumen.
Im Geschäftsjahr 2026 stammten bereits 80 % der Erlöse von Seagate aus dem Rechenzentrumsgeschäft. Die ausgelieferte Kapazität bei sogenannten Nearline-Laufwerken kletterte in diesem Zeitraum auf 695 Exabyte. Angesichts der fest vereinbarten Kontingente mit großen Cloud-Betreibern blickt das Unternehmen operativ auf ein stabiles Fundament, auch wenn die Konkurrenz mittelfristig verlorene Marktanteile zurückfordern will.
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