Der Schweizer Pharmakonzern Novartis stellt die Weichen für die künftige Wirkstoffforschung neu. Am 30. September vereinbarte Novartis Biomedical Research eine Kooperation mit CAS, um den Zugriff auf Reaktionsdaten für Laboranalysen und KI-gestützte Entwicklungsprozesse auszubauen. CAS stellt der Forschungssparte des Unternehmens dafür Zugang zu mehr als 160 Millionen kuratierten chemischen Reaktionen bereit.
Die Digitalisierung der Frühphase soll Entwicklungszeiten verkürzen und Trefferquoten bei der Molekülsuche steigern. Solche Kooperationen gewinnen im Pharmasektor rasant an Bedeutung, da rechnergestützte Vorhersagen teure Fehlversuche im Labor reduzieren können.
Selektive Skepsis trotz Pipeline-Erweiterungen
An der Börse notiert der Titel mit 126,18 Euro und liegt damit rund 13 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 144,30 Euro. Der jüngste Vorstoß im Bereich der Daten- und KI-Forschung reiht sich in eine Reihe strategischer Schritte ein, zu denen auch die Novartis Lizenzpartnerschaft Abogen Biosciences zählt.
Laut Reuters beinhaltet diese Vereinbarung weltweite Exklusivrechte an ABO2203 sowie Optionen auf weitere RNA-Programme, verknüpft mit 575 Millionen US-Dollar Vorauszahlung und bis zu rund 7,2 Milliarden US-Dollar an Meilensteinzahlungen.
Gleichwohl teilen nicht alle Marktbeobachter den Optimismus für die kurzfristige Kursentwicklung. Am Donnerstag passte Goldman Sachs die eigene Bewertung an: Analyst James Quigley hob das Kursziel für Novartis von 110 auf 113 Franken an, beließ die Aktie aber auf „Sell“. Seine Schätzungen für das dritte Quartal 2026 lägen weitgehend im Rahmen der Markterwartungen.
Finanzergebnisse Ende Oktober als Gradmesser
Die Zurückhaltung der Analysten verdeutlicht die Herausforderung, die hohen Vorleistungen für Plattformtechnologien und Kooperationen in zeitnahe operative Erträge zu übersetzen.
Ob die operative Entwicklung im laufenden Geschäft den Bewertungsabstand zu den Jahreshöchstständen rechtfertigt, wird sich in wenigen Wochen zeigen: Novartis plant am 27. Oktober 2026 die Veröffentlichung der detaillierten Finanzergebnisse für das dritte Quartal 2026. Bis dahin dürften Marktteilnehmer vor allem darauf achten, wie schnell die neu vereinbarten Forschungskooperationen messbare Fortschritte in der klinischen Pipeline liefern können.
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