Novartis bringt seine Multiple-Sklerose-Sparte auf die große Bühne. Beim Kongress MSToronto2026, dem zehnten gemeinsamen Treffen von ACTRIMS und ECTRIMS, präsentiert der Konzern 46 Abstracts. Zwei davon sind als Late-Breaker eingestuft, einer betrifft den potenziellen nächsten MS-Wirkstoff Remibrutinib.
Remibrutinib im Mittelpunkt
Herzstück ist die Vorstellung der Phase-III-Studien REMODEL-1 und REMODEL-2. Sie vergleichen den oral verabreichten BTK-Inhibitor Remibrutinib mit Teriflunomid bei schubförmiger Multipler Sklerose. Novartis spricht von positiven Ergebnissen, Details nennt der Konzern bislang nicht. Der Vortrag ist für den 23. Oktober angesetzt.
Im Anschluss lädt Novartis Investoren zu einer Telefonkonferenz ein. Dort will das Management die Daten einordnen und das Potenzial von Remibrutinib in MS erläutern. Für Marktteilnehmer dürfte dieser Termin wichtiger sein als der Kongressvortrag selbst, denn erst hier fallen Einschätzungen zur kommerziellen Perspektive.
Kesimpta bekommt mehr Evidenz
Ein zweiter Late-Breaker widmet sich Kesimpta (Ofatumumab) bei Kindern und Jugendlichen mit MS. Die Phase-III-Studie NEOS untersucht Ofatumumab und Siponimod gegen Fingolimod. In diesem Segment sind zugelassene Therapien bislang knapp.
Hinzu kommen weitere Datensätze:
- STHENOS (Phase 3b): Ofatumumab gegen die vom Arzt gewählte Standardtherapie bei nicht vorbehandelten Patienten, Poster am 21. Oktober
- KATHAROS (Phase 4): Übergang von Ofatumumab in die Muttermilch, Zwischenergebnisse
- PRIM: Schwangerschafts- und Neugeborenenverläufe nach Ofatumumab-Exposition, Poster am 22. Oktober
Die Daten zu Schwangerschaft und Stillzeit sollen Familienplanungsentscheidungen von Patientinnen stützen. Sie können die Position von Kesimpta im Alltag der Neurologen festigen.
Neurologie als strategischer Schwerpunkt
Novartis betont, die Neurologie weiter auszubauen: von MS und spinaler Muskelatrophie hin zu Neuroimmunologie, Neurodegeneration und neuromuskulären Erkrankungen. Die Kongresspräsenz passt in dieses Bild.
Parallel dazu sorgt eine Personalie am Rande für Aufmerksamkeit. Eric Durand, früher Direktor für Onkologie-Datenwissenschaft bei Novartis, gründet das Pariser KI-Start-up Rivercell mit. Es sammelte 25 Millionen Dollar Startkapital ein. Für den Konzern ist das nicht kursrelevant, es zeigt aber, wie stark KI-Know-how in der Branche gefragt ist.
Entscheidend wird der 23. Oktober: Dann stehen die REMODEL-Daten auf dem Programm, direkt danach folgt die Investorenrunde.
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