Nike setzt auf Indien, während das China-Geschäft schwächelt. Der Sportartikelhersteller kündigte mit den Quartalszahlen am 1. Oktober einen neuen globalen Campus in Bengaluru an. CEO Elliott Hill spricht von einer „langfristigen Investition“. Marktbeobachter fragen sich, ob das reicht, um die Wende zu beschleunigen.
Campus soll mehrere Marken bündeln
Der Standort soll in den kommenden Jahren öffnen und Unternehmensfunktionen für die Marken Nike, Jordan und Converse umfassen. Indien sei bereits ein wichtiger Wachstumsmarkt und Produktionsstandort mit starken Fähigkeiten und Zugang zu Talenten, schrieb Hill an die Belegschaft. Details will der Konzern auf dem Investorentag im kommenden Monat nennen.
Ein Sprecher betonte, die Entscheidung sei kein Entweder-oder zwischen Indien und China. Man investiere Markt für Markt entlang der langfristigen Chancen.
China bleibt die Baustelle
Im Großraum China brach der Umsatz im ersten Geschäftsquartal um 26 Prozent ein. Zwar lag das Nordamerika-Geschäft leicht über den Erwartungen, Hill räumte aber ein, das reiche nicht, um den Druck im Ausland auszugleichen. Er kündigte „gezielte Maßnahmen“ an: frischere Läden, ein digitaler Neuaufbau und hochwertigere Erlebnisse für Kunden. Die Effekte brauchen laut Hill Zeit.
Parallel dazu läuft der Umbau unter dem Namen „Pace“. Er umfasst Stellenabbau, Änderungen in der Lieferkette und eine neue Struktur der Regionalsegmente. Nike erwartet daraus Einsparungen von rund 2,5 Milliarden Dollar bis zum Geschäftsjahr 2031.
Skepsis bei Experten
Die Einschätzungen fallen gemischt aus. Simeon Siegel von Guggenheim Securities sieht Nike dabei, Region für Region zu klären, wofür die Marke steht. Das Ziel sei nicht, „bis zur Bedeutungslosigkeit zu schrumpfen“, sondern zur Stabilität und dann zu Wachstum zu kommen. Indien könne helfen, falls China weiter hinterherhinkt.
Jessica Ramirez von der Beratung The Consumer Collective ist kritischer. Der Indien-Plan sei keine Sofortlösung, kurzfristig falle vieles weiter auseinander. Nike habe zudem noch keine konkreten Pläne vorgelegt, um in China Schwung zurückzugewinnen. Auch Accenture-Experte Chris Tomsovic warnt: Indische Kunden achten stark auf Preise, und es sei offen, wie sie amerikanische Marken aufnehmen.
Rückenwind an der Börse
Kurzfristig half dem Papier der Markt. Am Donnerstag zählte Nike zu den stärksten Werten im Dow Jones, der um 1,1 Prozent auf 52.177,69 Punkte stieg. Fallende Anleiherenditen und Schnäppchenkäufe stützten die Erholung, trotz höher als erwartet ausgefallener Erzeugerpreise.
Konkrete Antworten zum Indien-Projekt soll der Investorentag im November liefern.
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