Goldman Sachs zieht bei Nike die Reißleine: Die Bank stuft die Aktie von „Neutral“ auf „Sell“ ab und kappt das Kursziel von 49,00 auf 27,50 Dollar. Die Begründung geht über schwache Quartalszahlen hinaus. Goldman stellt die Marktposition des Konzerns grundsätzlich infrage.
Kleinerer Platz im Sportmarkt
Nike habe sich offenbar mit einer kleineren Rolle im Sportartikelmarkt abgefunden, so die Analysten. Das Performance-Geschäft laufe weiter. Die große, wenig differenzierte Kategorie Sportswear dagegen schwächelte auch im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 und treibt die prognostizierte Umsatzdelle im hohen einstelligen Prozentbereich.
Dass Nike Sportswear nun um kleinere Schwerpunktfelder neu ordnet, werten die Goldman-Experten als Eingeständnis. Der Markt habe sich dauerhaft gegen den Konzern verschoben. Niedrigere Eintrittsbarrieren zwingen etablierte Anbieter, sich gegen immer mehr Herausforderer in zersplitterten lokalen und kategoriespezifischen Nischen zu behaupten. Sonst verlieren sie Marktanteile.
Am deutlichsten zeigt sich das in China. Trotz der seit Dezember 2024 laufenden „Win Now“-Maßnahmen dürften die Umsätze dort mindestens ein weiteres Quartal schrumpfen. Im Juli und August lag das Minus bei 26 Prozent. Nach Konzernangaben aus der Telefonkonferenz sollen sich die Rückgänge von September 2026 bis Mai 2027 sogar ausweiten, weil Nike Lagerbestände aus den Vertriebskanälen zurückholt.
Schwacher Start, geteilte Analystenmeinungen
Das erste Quartal brachte den ersten Umsatzausfall seit sieben Quartalen. Marge und Gewinn je Aktie übertrafen die Erwartungen leicht, getragen von zweistelligem Wachstum im Performance-Bereich. Für das Gesamtjahr stellt Nike einen Umsatzrückgang im hohen einstelligen Prozentbereich in Aussicht. Der bereinigte Gewinn je Aktie soll zwischen 1,15 und 1,35 Dollar liegen.
Goldman sieht den Druck bis ins Geschäftsjahr 2028 anhalten. Das Management klinge müde, und der Restrukturierungsplan „Pace“ helfe erst ab 2029.
Das Analystenbild bleibt uneinheitlich. Freedom Broker hob die Aktie wegen des Umbauplans auf „Buy“. BNP Paribas Exane bleibt bei „Underperform“ und senkte das Ziel. Piper Sandler kürzte ebenfalls, behält aber „Neutral“. KeyBanc und Stifel bleiben bei „Sector Weight“ beziehungsweise „Hold“.
Am Markt ist die Skepsis angekommen. Die Aktie schloss zuletzt bei 33,96 Dollar, nahe dem Jahrestief von 31,97 Dollar. In Deutschland rutschte der Kurs am Montag auf rund 29,69 Euro, ein Niveau wie zuletzt 2013. Auch die ausländische Konkurrenz spürt die Folgen: Anta Sports verlor heute in Hongkong zeitweise 2,0 Prozent.
Mit dem neuen Goldman-Ziel von 27,50 Dollar liegt die Marke rund 19 Prozent unter dem letzten Schlusskurs. Das Jahrestief bei 31,97 Dollar rückt damit als nächste Messlatte in den Blick.
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