Die Bundesnetzagentur hat heute ihren Vorschlag für den Preisspielraum im Briefgeschäft vorgelegt. Die Deutsche Post könnte das Porto zum 1. Januar 2027 demnach um bis zu 20,35 Prozent anheben. Es wäre die kräftigste Erhöhung in der Unternehmensgeschichte.
Was die Regulierer vorschlagen
Der Spielraum gilt für Privatkundenbriefe und für die Jahre 2027 und 2028. Bei Paketen sieht die Behörde einen durchschnittlichen Spielraum von 10,72 Prozent vor. Für einen Standardbrief, der heute 95 Cent kostet, wären rechnerisch rund 1,14 Euro fällig. Je nach endgültiger Preisgestaltung könnten es auch 1,15 Euro werden.
Die DHL-Tochter hatte noch deutlich mehr verlangt. Die Bundesnetzagentur blieb unter diesen Vorstellungen und erkannte einzelne geltend gemachte Kostensteigerungen nicht an.
Die Deutsche Post schöpfte den von der Behörde vorgegebenen Rahmen in der Vergangenheit stets voll aus. 2022 lag der durchschnittliche Aufschlag bei 4,6 Prozent, 2025 waren es bereits 10,48 Prozent. Würde sich diese Dynamik fortsetzen, wären Beobachtern zufolge für 2029 theoretisch rund 40 Prozent denkbar. Das ist eine Rechenübung, keine Prognose.
Schrumpfendes Geschäft, hohe Fixkosten
Der Hintergrund ist der anhaltende Mengenrückgang. 2005 wurden in Deutschland noch rund 16,9 Milliarden Briefe verschickt, 2025 nur noch etwa 9,4 Milliarden. Die Digitalisierung frisst das klassische Briefgeschäft auf.
Die Kosten sinken jedoch nicht im gleichen Tempo. Personal, Zustellung und Infrastruktur bleiben teuer, denn das flächendeckende Netz muss weiter betrieben werden. Höhere Erlöse je Sendung könnten die fehlenden Mengen zumindest teilweise ausgleichen und dem Konzern spürbar Entlastung bringen. Wie stark sich das im Gewinn niederschlägt, ist allerdings offen.
Der Fahrplan
Noch ist nichts entschieden. Bis zum 30. Oktober können Unternehmen, Wettbewerber und Verbraucherschützer Stellung nehmen. Die endgültige Entscheidung der Bundesnetzagentur wird im November erwartet. Erst danach kann die Deutsche Post ihre konkreten Portopreise zur Genehmigung vorlegen.
Parallel dazu steht am 5. November der Quartalsbericht an. Dort dürfte sich zeigen, wie das Management die Perspektiven des Briefgeschäfts einordnet.
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