Rechenzentren bauen sich nicht von allein. Weil Investitionssummen hoch und Zeitpläne eng sind, schicken viele Kunden die nötigen Güter lieber per Express als per klassischer Luftfracht. Davon profitiert DHL, und zwar spürbar.
Express liefert den Ertrag
Im dritten Quartal trugen diese „Marktbesonderheiten“, wie Finanzchefin Melanie Kreis sie nannte, rund 100 Millionen Euro zum operativen Gewinn bei. Im zweiten Quartal waren es sogar 150 Millionen. Die im Express-Netzwerk transportierten Tagesmengen waren zudem rund zehn Prozent schwerer als ein Jahr zuvor.
Mehr als die Hälfte des operativen Konzerngewinns stammte damit aus dem Express-Geschäft. Zeitkritische Sendungen sind teurer, entsprechend lukrativ ist das Segment für die Bonner.
Der auf die Aktionäre entfallende Gewinn stieg auf 907 Millionen Euro, ein Plus von 8 Prozent. Die vom Unternehmen befragten Analysten hatten im Schnitt allerdings mit mehr gerechnet. Kreis bestätigte die bereits Mitte Oktober vorgelegten vorläufigen Zahlen. Damals hob der Konzern seine Ziele für 2026 an und kündigte an, die Mittelfristprognose im März zu überprüfen.
Gegenwind bei Brief und China-Paketen
Schwächer läuft es im Heimatmarkt. Pro Arbeitstag stellte die Post im dritten Quartal im Schnitt 30 Millionen Briefe zu, vor zehn Jahren waren es doppelt so viele. Löhne, Energie und Material verteuern sich, die Stückkosten steigen „signifikant“, wie Kreis sagte.
Die Bundesnetzagentur plant deshalb zum Jahreswechsel eine Porto-Anhebung um gut 20 Prozent, der Inlandsbrief soll von 0,95 auf 1,15 Euro steigen. Kreis hält das für angemessen, sieht aber ein Dilemma: Höhere Preise dürften den Mengenrückgang weiter beschleunigen. Die Monopolkommission lehnt das geplante Porto als zu hoch ab. Kreis verwies darauf, dass der Konzern anders als Wettbewerber bundesweit Filialen und Briefkästen vorhalten muss.
Auch im Paketgeschäft bremst ein Sonderfaktor. Seit die EU im Juli die Zollfreigrenze für Billigpakete abgeschafft hat, gingen die Volumina aus China zweistellig zurück. Das Paketvolumen insgesamt blieb flach. Kreis nannte das im Rahmen der Erwartungen.
Chinesische Händler reagieren offenbar, indem sie mehr Ware in europäischen Lagern vorhalten und per Luft- oder Seefracht dorthin liefern. Wie sich die seit 1. November zusätzlich erhobene EU-Gebühr von 2 Euro auswirkt, sei noch zu früh zu beurteilen.
Aktie auf Jahressicht deutlich im Plus
An der Börse legte die Aktie gegen Mittag um 0,3 Prozent auf 60,46 Euro zu. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von über einem Viertel zu Buche. JPMorgan-Analystin Alexia Dogani hob das breit angelegte regionale und sektorale Wachstum hervor. Für Jefferies-Experte Michael Aspinall rückt nun die Nachhaltigkeit des Gewinnwachstums in den Mittelpunkt. Der nächste konkrete Prüfstein ist die Überprüfung der Mittelfristprognose im März.
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