Visa notiert auf Rekordniveau, und eine der bekanntesten Large-Cap-Kauflisten der Wall Street greift zu. Oppenheimer nimmt den Zahlungsriesen neu in seine Top-50-Liste auf und wirft dafür vier Großbanken hinaus. Nur JPMorgan bleibt als einziges Geldhaus dabei.
Gebühren statt Kreditrisiko
Raus fliegen Bank of America, Morgan Stanley, Goldman Sachs und Citigroup, kurz nach deren Quartalszahlen. Die Logik dahinter: Oppenheimer setzt nicht gegen Banken, sondern auf Qualität. Visa verdient an jeder Kartenzahlung mit, das Ausfallrisiko trägt die ausgebende Bank. In den vergangenen zwölf Monaten setzte der Konzern 44,49 Milliarden Dollar um, 14,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
JPMorgan steht für das Gegenmodell. Die Bank trägt das Kreditrisiko selbst, erzielt damit aber eine Eigenkapitalrendite von 20 Prozent. Der jüngste Bericht hatte allerdings Schwächen: Der Gewinn je Aktie lag unter den Erwartungen, und die Aktienrückkäufe fielen deutlich geringer aus.
Dass Visa nicht billig ist, räumt die Bewertung selbst ein. Das 27-Fache der erwarteten Gewinne ist ein sichtbarer Aufpreis. Hinzu kommt politischer Gegenwind: Donald Trump wirbt für einen Gesetzentwurf zu Kreditkartengebühren, der die Macht der Zahlungsnetzwerke beschneiden könnte.
Krypto als weiteres Standbein
Parallel treibt Visa sein Krypto-Geschäft voran. Der Infrastrukturanbieter Mesh bindet Visa ein, sodass Nutzer Kryptowährungen und Stablecoins aus teilnehmenden Wallet-Apps an mehr als 175 Millionen Akzeptanzstellen ausgeben können. Eine separate Karte entfällt: Im Hintergrund wird ein Visa-Zugang bereitgestellt, Mesh übernimmt Finanzierung und Umtausch. Starttermin, unterstützte Geräte und beteiligte Plattformen sind noch offen.
Die Kooperation reiht sich in frühere Schritte ein. Schon zuvor arbeitete Visa mit WeFi und Bridge an Lösungen, bei denen Krypto- und Stablecoin-Guthaben für Kartenzahlungen genutzt werden.
Charttechnik nach dem Ausbruch
Visa schloss zuletzt bei 402,92 Dollar, knapp unter dem Intraday-Hoch von 404,74 Dollar. Das ist der nächste Widerstand. Der Kurs hat die obere Linie des seit März bestehenden Trendkanals überwunden, der Relative-Stärke-Index von 74 signalisiert aber eine überhitzte Lage.
Erste Unterstützung bietet das Augusthoch bei rund 385 Dollar, darunter folgt die 50-Tage-Linie bei 373 Dollar. Fällt Visa unter 385 Dollar, wäre der Ausbruch vorerst vertagt. Am 27. Oktober nach US-Börsenschluss legt der Konzern die Zahlen zum vierten Geschäftsquartal vor.
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