Hohe Zinsen und eine schleppende Nachfrage auf dem US-Heimatmarkt dämpfen die Aussichten für SolarEdge. Marktbeobachter warnen vor überzogenen Erwartungen an das Kerngeschäft des Wechselrichter-Spezialisten, was die jüngste Erholung der Aktie spürbar bremst. Im europäischen Handel gibt der Kurs heute um 1,5 Prozent auf 29,15 Euro nach.
Analysten korrigieren Schätzungen für das Kerngeschäft
Auslöser der jüngsten Zurückhaltung sind skeptischere Töne aus dem Analysebereich. Die Deutsche Bank sprach einen kurzfristigen negativen Katalysator-Aufruf aus, beließ ihre Einstufung jedoch auf „Hold“ mit einem Kursziel von 34 US-Dollar.
Analystin Corinne Blanchard begründete die Vorsicht mit dem schwierigen Umfeld in den USA, wo das Zinsniveau die Nachfrage nach Solaranlagen weiterhin hemmt. Ihre Umsatzprognose für das vierte Quartal 2026 liegt rund zwei Prozent unter dem Marktkonsens, die Schätzung für das Gesamtjahr 2027 rund fünf Prozent darunter.
Auch Barclays passte die Erwartungen an und senkte das Kursziel von 37 auf 36 US-Dollar bei einer unveränderten Einstufung mit „Equal Weight“. Marktbeobachter befürchten, dass die Konsensschätzungen für das Wachstum im kommenden Jahr zu optimistisch angesetzt sind und nach den anstehenden Quartalszahlen nach unten korrigiert werden müssen.
Operative Erholung trifft auf US-Gegenwind
Die Skepsis trifft das Unternehmen mitten in einer Phase der operativen Stabilisierung. Im zweiten Quartal 2026 hatte SolarEdge einen Umsatz von 346,2 Millionen US-Dollar erzielt, was einem Zuwachs von rund 20 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entsprach. Das bereinigte Betriebsergebnis erreichte 10,2 Millionen US-Dollar, womit erstmals seit fast drei Jahren wieder operative Profitabilität auf Non-GAAP-Basis verzeichnet wurde.
Während das Geschäft in Europa im zweiten Quartal deutliche Zuwächse verzeichnete und der Umsatz dort im Jahresvergleich mehr als verdoppelt werden konnte, bleibt der US-Markt das Sorgenkind. Für das dritte Quartal 2026 stellte das Management Erlöse zwischen 310 und 340 Millionen US-Dollar in Aussicht, bei einer erwarteten Non-GAAP-Bruttomarge von 22 bis 26 Prozent.
Langfristige Pläne jenseits des klassischen Solarmarkts
Trotz des aktuellen Gegenwinds hält die Führung an ehrgeizigen Mehrjahreszielen fest. Bis 2029 peilt das Unternehmen einen Jahresumsatz von 2,4 Milliarden US-Dollar sowie eine Bruttomarge von 35 Prozent an.
Davon sollen 1,8 Milliarden US-Dollar auf das angestammte Solargeschäft entfallen und 600 Millionen US-Dollar auf Stromversorgungsprodukte für KI-Rechenzentren. Für diesen neuen Bereich sind Pilotinstallationen ab 2027 geplant, bevor 2028 größere Lieferungen beginnen sollen.
Ob diese langfristigen Perspektiven kurzfristig tragen, bezweifeln viele Anleger angesichts der Zinslast im US-Privatkundengeschäft. Mit einem Abschlag von 58 Prozent zum 52-Wochen-Hoch bleibt der Bewertungsdruck für SolarEdge vorerst hoch.
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