SolarEdge Technologies erlebt eine bemerkenswerte Kursrallye. Die Aktie stieg am Dienstag um über 16 Prozent und erreichte ein Zweijahreshoch bei 61,50 Euro. Seit letzter Woche summiert sich das Plus auf 27 Prozent. Auslöser ist eine Mischung aus besserem Q2-Ausblick, nachlaufenden Käufen und einer wichtigen steuerlichen Frist für US-Solarprojekte.
Steuerfrist als Kurstreiber
Der 4. Juli wird zum entscheidenden Datum für die Solarbranche. Unter dem „One Big Beautiful Bill Act“ müssen gewerbliche und industrielle Solarprojekte bis dahin mit dem Bau begonnen haben. Sonst verfällt die 30-prozentige Steuergutschrift. Investoren rechnen mit einem kurzfristigen Nachfrageschub, von dem SolarEdge als einer der führenden Anbieter profitieren dürfte.
Hinzu kommt ein mechanischer Effekt: Die Leerverkaufsposition in SolarEdge-Aktien lag zuletzt bei rund 10,2 Millionen Stück. Steigt der Kurs, müssen Shortseller ihre Positionen eindecken – das verstärkt die Aufwärtsbewegung zusätzlich.
Personalie und Altlasten
Das Unternehmen besetzt zeitgleich eine Schlüsselposition neu. Maoz Sigron wird zum 31. Mai neuer Finanzvorstand, nachdem Vorgänger Asaf Alperovitz das Unternehmen verlässt. Sigron bringt über zwei Jahrzehnte Finanz- und Führungserfahrung mit.
Auch rechtlich tut sich etwas. Ein vorgeschlagener Vergleich in Höhe von 55 Millionen US-Dollar soll eine Wertpapierklage aus den Jahren 2023 beilegen. Die Anhörung ist für den 24. August angesetzt. Wird der Vergleich bestätigt, entfiele ein erheblicher Rechtsstreit für SolarEdge.
Operative Wende zeichnet sich ab
Die Quartalszahlen untermauern den Erholungskurs. Der Umsatz stieg im ersten Quartal um 46 Prozent auf 310,5 Millionen US-Dollar und übertraf die Analystenerwartungen. Der Non-GAAP-Verlust je Aktie lag bei -0,43 US-Dollar. Für das zweite Quartal stellt das Management Erlöse zwischen 325 und 355 Millionen US-Dollar in Aussicht – bei einer Bruttomarge von 23 bis 27 Prozent.
Besonders spannend: Die Bruttomarge verbessert sich bereits das sechste Quartal in Folge. Das spricht für eine nachhaltigere Kostenstruktur. SolarEdge peilt zudem zur Quartalsmitte die operative Gewinnschwelle an.
Die strategische Neuausrichtung läuft parallel. Mit der Nexis-Plattform bringt SolarEdge ein integriertes System aus Photovoltaik, Stromspeicher und Energiemanagement auf den Markt – zunächst in Deutschland. Bis Anfang 2027 sollen 90 Prozent des Residential-Geschäfts über Nexis laufen. Die Plattform profitiert von US-Fertigungsvorteilen im Rahmen des Inflation Reduction Act.
Die Aktie notiert heute mit 61,50 Euro auf dem höchsten Stand seit zwei Jahren. Der RSI von 37 deutet trotz der Rallye auf Spielraum nach oben. Die entscheidende Frage ist, ob die operative Erholung im zweiten Halbjahr tatsächlich in positive Gewinne mündet – und wie nachhaltig der Steuer-Anreiz-Schub für die Nachfrage ist.
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