Fresnillo hat gestern einen deutlichen Rückgang seiner Silberproduktion gemeldet. Zusammen mit dem anhaltenden Förderstopp in San Dimas rückt damit die Angebotsseite des Silbermarkts in den Vordergrund. Eine unmittelbar bevorstehende Verknappung lässt sich daraus jedoch nicht ableiten: Die zuletzt gemeldeten Lagerbestände in London und an der COMEX sind gestiegen.
Niedrigere Erzgehalte belasten die Förderung
Fresnillos zurechenbare Silberproduktion sank im dritten Quartal 2026 auf 10,322 Mio. Unzen. Das entspricht einem Rückgang von 11,6 % gegenüber dem Vorjahresquartal.
Als Ursachen nannte das Unternehmen niedrigere Erzgehalte bei Juanicipio, Saucito und San Julián Veins sowie den entfallenen Silverstream-Beitrag. Für Anleger ist dabei eine Einschränkung entscheidend: Fresnillo hielt an seiner Produktionsprognose fest. Die schwächere Quartalsförderung führte somit nicht zu einer Senkung des Jahresausblicks.
Hinzu kommt der Arbeitskonflikt bei First Majestic Silver. Medienberichten zufolge blieb die Gold- und Silberförderung in San Dimas eingestellt. Der Streik war am 8. Oktober formell ausgerufen worden; am Montag war der Konflikt weiterhin ungelöst. Ein Datum für den Wiederanlauf wurde nicht genannt.
First Majestic hatte die Betriebsbeeinträchtigungen bereits am 9. Oktober bestätigt und erklärt, an einer Lösung zu arbeiten. Damit stehen hinter den Produktionsproblemen unterschiedliche Ursachen: Bei Fresnillo belasteten vor allem die Erzgehalte, in San Dimas verhindert der Arbeitskonflikt die Förderung. Beide Meldungen betreffen das Angebot, belegen für sich aber noch keinen marktweiten Engpass.
Lagerbestände relativieren das Knappheitssignal
Die LBMA meldete am 14. Oktober Londoner Silberbestände von 28.985 Tonnen zum Ende des dritten Quartals. Gegenüber Ende Juni bedeutete das einen Zuwachs von 3,22 %.
Allerdings ist nicht das gesamte eingelagerte Metall frei verfügbar. Die Londoner Bestände umfassen auch Silber, das für börsengehandelte Fonds und andere Anlagevehikel verwahrt wird. Der Lageranstieg ist deshalb ebenso wenig ein vollständiger Verfügbarkeitsnachweis wie ein einzelner Förderausfall ein Beleg für akute Knappheit.
Auch der COMEX-Lagerbericht zeigte einen Bestandsaufbau. Für den 13. Oktober wies er insgesamt 333,2 Mio. Feinunzen aus. Davon entfielen 103,1 Mio. Unzen auf die Kategorie „registered“; der Gesamtbestand lag um 1,2 Mio. Unzen über dem Vorbericht.
Zinsrisiken begrenzen die Wirkung der Angebotsmeldungen
Für den Silberpreis reicht der Blick auf Minen und Lager damit nicht aus. Gestern belasteten Medienberichten zufolge steigende Ölpreise, Inflationssorgen und Erwartungen möglicher Zinserhöhungen. Die Produktionsprobleme lieferten also keine ausreichende Gegenkraft gegen die geldpolitischen Belastungen.
Als nächster Termin stehen die vorläufigen S&P-Global-Einkaufsmanagerindizes am 23. Oktober an. Danach folgt die Sitzung der US-Notenbank am 27.–28. Oktober. Beide Termine stehen im Fokus der Neubewertung von Zins- und Renditeerwartungen.
Für Anleger ergibt sich daraus eine klare Unterscheidung: Die Fördermeldungen zeigen konkrete Angebotsrisiken. Steigende Lagerbestände und Fresnillos unveränderte Prognose begrenzen jedoch ihre Aussagekraft für eine unmittelbare Verknappung. Der Silberpreis bleibt zugleich den Belastungen durch die Zinserwartungen ausgesetzt.
Stand heute, 22. Oktober: Silber Preis – Kaufen, halten oder verkaufen?
Wer in Silber Preis investiert ist oder einen Einstieg prüft, sollte die Lage jetzt neu bewerten. Die Gratis-Analyse vom 22. Oktober gibt die klare Antwort – und zeigt, warum Abwarten gerade jetzt riskanter sein kann, als es wirkt.
