Der Silbermarkt geriet gestern im späten US-Handel durch den Ausverkauf von Technologieaktien unter Druck. Medienberichten zufolge griffen die Verkäufe auf Industrie- und Wachstumswerte über und belasteten auch Silber. Damit traf die zuvor von sinkenden Anleiherenditen gestützte Erholung auf Gegenwind von den Aktienmärkten. Für Anleger stehen kurzfristig die Konjunktur- und Inflationsrisiken im Vordergrund, während Produktionsprobleme das Angebot begrenzen.
Aktienmarkt und Ölpreis belasten
Der gestrige Schlusskurs von 51,80 USD je Feinunze unterstreicht, dass Silber die zwischenzeitliche Unterstützung durch niedrigere US-Renditen nicht durchgehend nutzen konnte. Der Verkaufsdruck im späten Handel zeigte die Empfindlichkeit des Metalls gegenüber einer schwächeren Stimmung bei Industrie- und Wachstumswerten.
Zugleich verschob sich die Einschätzung der Inflationsrisiken. Während zunächst Hoffnungen auf eine Entspannung im US-Iran-Konflikt gestützt hatten, kamen später Meldungen über Angriffe auf Handelsschiffe nahe der Straße von Hormus hinzu. Steigende Ölpreise verstärkten daraufhin wieder die Unsicherheit über den Inflationsausblick.
Damit wirkten unterschiedliche Kräfte auf den Silberpreis: Niedrigere Treasury-Renditen dämpften Medienberichten zufolge die Erwartungen an eine weitere Straffung der US-Geldpolitik. Die gleichzeitigen Verkäufe an den Aktienmärkten und die erneuten Inflationssorgen belasteten dagegen. Eine Fortsetzung der Erholung hängt deshalb auch davon ab, ob die Unterstützung durch niedrigere Renditen den konjunkturellen Gegenwind überwiegt.
Produktionsprobleme begrenzen das Angebot
Auf der Angebotsseite meldete Pan American Silver am Mittwoch Einschränkungen. Das Unternehmen erwartet seine Silberproduktion 2026 am unteren Ende der Prognosespanne von 25–27 Mio. Unzen. Als Gründe nannte es ungeplante Ausfallzeit in Huaron wegen Reparaturen am Fundament der Hauptmahlmühle sowie einen höheren Gold-zu-Silber-Produktionsanteil in Cerro Moro.
Die Meldung ergänzt Hinweise auf eine schwächere Produktion in China. Dort belasteten Feiertagsunterbrechungen beim Recycling und Wartungsarbeiten in Kupferschmelzen den Ausstoß. Solche Einschränkungen können den Silberpreis stützen, sofern die Nachfrage nicht zugleich stärker nachlässt.
Für Oktober wurde bei chinesischen Silberbarren der Kategorie SMM 1# ein Produktionsrückgang gegenüber September um 5,03 % gemeldet. Die kumulierte Produktion 2026 lag allerdings weiterhin um 3,72 % über dem Vorjahreszeitraum.
Das Angebotsbild bleibt damit gemischt: Kurzfristigen Ausfällen steht in China ein bislang höherer Jahresausstoß gegenüber. Für Silber spricht die begrenzte Verfügbarkeit dort, wo Reparaturen und Wartung die Produktion bremsen. Gegen eine ungebremste Erholung sprechen die Konjunktursorgen, solange sie Verkäufe in industriell geprägten Anlagen auslösen. Genau dieses Spannungsfeld prägte den gestrigen Handel.
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