Sieben Jahre lang blieb RBC skeptisch, jetzt kapituliert die Skepsis vor der Bewertung. Die kanadische Bank hat Rational von „Sector Perform“ auf „Outperform“ hochgestuft und das Kursziel von 680 auf 700 Euro angehoben. Die Aktie des Großküchenausrüsters legte am Freitagvormittag zeitweise knapp fünf Prozent auf 584 Euro zu und zählte im MDax zu den stärksten Werten.
Bewertungsabschlag als Auslöser
Analyst Sebastian Kuenne begründet den Schritt vor allem mit dem Kurs. Der Bewertungsaufschlag der Aktie gegenüber europäischen Industriewerten ist auf rund 10 Prozent geschrumpft. Im Zehnjahresschnitt lag er bei 120 Prozent. Der Markt habe die Aktie „all but given up“, sie sei überverkauft, so Kuenne.
RBC hält einen Aufschlag von 30 Prozent für gerechtfertigt. Das entspricht beim neuen Ziel etwa dem 26-Fachen der erwarteten Gewinne für 2027, auf Augenhöhe mit Epiroc, Atlas Copco und ABB. Als Szenarien nennt die Bank 900 Euro im besten und 550 Euro im schlechtesten Fall.
Qualität statt KI-Zyklus
Fundamental sieht Kuenne wenig Grund zur Sorge. Rational sei ein Paradebeispiel deutscher Mittelstandstechnik, bei Produkt und Preisen liege das Unternehmen vor dem italienischen Rivalen Unox. Das iHexagon-Gerät sei das bessere Produkt als Unox‘ Mikrowellen-Kombiofen. Unox wächst langsamer und verliert an Marge, während Rational bei rund 26 Prozent operativer Marge bleibt.
Das Wachstum hat allerdings nachgelassen. Nach den coronabedingten Subventionen für Profiküchen 2021 und 2022 wurden Käufe vorgezogen, die Erlöse stiegen 2025 nur noch um 5,5 Prozent. RBC rechnet damit, dass die Delle zwei bis drei Jahre anhält. Danach sieht die Bank wieder ein Volumenplus von sechs bis acht Prozent jährlich, dazu Preiserhöhungen von etwa zwei Prozent. Das Geschäft sei zudem unabhängig von jedem KI-Investitionszyklus.
Kurzfristig dämpft RBC die Erwartungen an die Profitabilität. Für das dritte Quartal erwartet die Bank ein Umsatzplus von sieben bis neun Prozent, die Marge dürfte wegen Anlaufkosten in China und für das iHexagon sowie Kosteninflation unter dem Vorjahreswert von 25,9 Prozent liegen. Weiter steigen dürfte sie nicht, was das Gewinnwachstum auf fünf bis zehn Prozent im Jahr begrenzt.
Preiserhöhung und Risiken
Rückenwind liefert die Preisrunde: Rational hebt die Preise außerhalb der USA um drei Prozent an, wirksam im Oktober und November. Das betrifft etwa die Hälfte des Konzernumsatzes im Schlussquartal. Die RBC-Schätzungen liegen zwei bis vier Prozent über dem Konsens, weil die Erhöhung dort womöglich noch nicht eingepreist ist. Hinzu kommen rund 600 Millionen Euro Nettoliquidität, die Spielraum für höhere Ausschüttungen eröffnen.
Risiken bleiben: günstigere chinesische Konkurrenz bei Einstiegsgeräten, wechselnde US-Zollregeln bei rund 20 Prozent Umsatzanteil und ein stärkerer Euro, da die Kosten überwiegend in Euro anfallen.
Technisch hat die Aktie nach dem Jahreshoch von 776,50 Euro im Februar und der beschleunigten Talfahrt im August seit September stabilisiert. Mit dem Kurssprung steht sie wieder über der 21-Tage-Linie. Bis zum RBC-Ziel von 700 Euro fehlen noch gut 15 Prozent.
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