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Symbolbild, KI-generiert

Fünf Prozent bei US-Anleihen: Jetzt zählt nur noch, wer die Zinswende übersteht

Steigende US- und Bundesanleiherenditen sowie teures Öl belasten Märkte, während Commerzbank und SAP relative Stärke zeigen.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • US-Rendite erreicht höchsten Stand seit 2023
  • Ölpreis treibt deutsche Anleiherenditen
  • Commerzbank profitiert von höheren Zinsen
  • SAP nähert sich technischem Kaufsignal

Sehr geehrte Damen und Herren,

5,013 Prozent. So hoch schoss die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen am Montag – der höchste Stand seit Oktober 2023. Auslöser war keine Überraschung, sondern eine Bestätigung: Die US-Inflation lag im August bei 3,4 Prozent, die Kernrate bei 2,4 Prozent, beides über den Erwartungen der Fed. Die Terminmärkte reagierten prompt. Laut CME FedWatch preisen sie inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von rund 90 Prozent für eine Zinsanhebung um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent ein, die die Fed am Mittwochabend verkünden dürfte. Eine Reuters-Umfrage unter Ökonomen kommt auf 85 Prozent Zustimmung zu diesem Szenario, über die Hälfte rechnet bis März 2027 mit mindestens einem weiteren Schritt. Für Anleger mit US-Anleihen oder Zinsprodukten heißt das: Die Ära sinkender Renditen ist vorerst beendet. 30-jährige Hypothekenanleihen kletterten binnen einer Woche um 23 Basispunkte auf 7,12 Prozent – ein Belastungstest für den US-Immobilienmarkt und indirekt für Bankaktien mit US-Exposure.

Der Ölpreis gibt der Zinsdebatte zusätzlichen Schub

Parallel eskalierte über das Wochenende die Lage am Golf: Houthi-Rebellen griffen erneut saudi-arabische Energieinfrastruktur an, die Ost-West-Pipeline des Königreichs fiel aus. Brent-Rohöl kletterte in der Spitze auf rund 110 Dollar je Barrel und notiert am Dienstag noch über 107 Dollar. Deutsche Erzeugerpreise ziehen laut Marktbeobachtern so stark an wie seit dreieinhalb Jahren nicht mehr. Die Folge für Rentenanleger ist unmittelbar spürbar: Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen kletterte am Montag auf 3,53 bis 3,56 Prozent, den höchsten Stand seit 2009. Der Euro-Bund-Future rutschte in der Vorwoche mehrfach ab. Wer in Bundesanleihen-ETFs oder Rentenfonds sitzt, verbucht damit Kursverluste, während sich Baugeld weiter verteuert – die zehnjährige Sollzinsbindung lag zuletzt bei 4,21 Prozent. Zins und Öl verstärken sich gerade gegenseitig, und das trifft Rentenanleger auf beiden Seiten des Atlantiks gleichzeitig.

Commerzbank zeigt, wie man von höheren Zinsen profitiert, auch ohne Übernahme-Fantasie

In diesem Umfeld wird die Frage nach relativer Stärke wichtiger als die pauschale Zinsangst. Commerzbank ist das Beispiel dafür. Der Übernahmestreit mit UniCredit bleibt nach dem ersten Treffen zwischen Finanzminister Lars Klingbeil und UniCredit-Chef Andrea Orcel am Montag in Berlin ungelöst: Klingbeil beharrt auf den zentralen Bedingungen der Bundesregierung, Orcel nannte das Gespräch dennoch „gut und konstruktiv“. Für Anleger ist das erst einmal politisches Warten. Operativ zählt etwas anderes: Klassische Zinshäuser wie Commerzbank profitieren strukturell von einem EZB-Einlagensatz, der seit dem 10. September bei 2,50 Prozent liegt – und der laut Bundesbank-Präsident Joachim Nagel durchaus noch Richtung eines leicht restriktiven Niveaus nahe 3 Prozent weiterziehen könnte. Ein höheres Zinsniveau stützt die Zinsspanne im klassischen Einlagen- und Kreditgeschäft. Das geht im M&A-Getöse leicht unter, zählt für die operative Bewertung der Aktie aber mehr als der nächste Verhandlungstermin mit Orcel.

SAP nähert sich dem Golden Cross, während die KI-Debatte Chipwerte belastet

Die zweite Story relativer Stärke spielt im Technologiesegment. SAP steht kurz vor einem Golden Cross – die 50-Tage-Linie schneidet die 200-Tage-Linie von unten, ein klassisch bullisches Signal –, während die Aktie an der Marke von 190 Euro arbeitet. Getrieben wird das von einer Rotation weg von Halbleiterwerten hin zu Software, ausgelöst durch eine neu entflammte Sicherheitsdebatte um Künstliche Intelligenz: Anthropic-Chef Dario Amodei forderte übers Wochenende eine Verlangsamung der KI-Entwicklung, OpenAI-Chef Sam Altman warnte am Sonntag in einem Onlinebeitrag vor einem möglichen Kontrollverlust über die Technologie. US-Technologieaktien gaben am Montag nach, asiatische Halbleiterwerte stabilisierten sich am Dienstag bereits wieder. Widerspruch kam prominent von US-Präsident Donald Trump, der die Sorgen vor Datenzentren am Montag in einem Telefonat mit Nvidia-Chef Jensen Huang bei einer Konferenz in Los Angeles als „Hoax“ bezeichnete. Für Anleger mit Positionen in Chip- und Softwarewerten bleibt die Botschaft: Solange die Politik hinter dem Ausbau steht, ist die Korrektur bei Halbleitern eher taktischer Natur. Dass der Markt dennoch in Substanzwerte wie SAP rotiert, zeigt aber, dass er sich absichert.

Analysten trennen Zykliker mit Preismacht von Konsumwerten unter Druck

Bei den Kursziel-Updates der vergangenen Tage zeichnet sich eine klare Präferenz für Autobauer gegenüber Luxusgütern ab. Morgan Stanley hob am Montag die Ziele für BMW auf 76 Euro (von 74) und für Mercedes-Benz auf 59 Euro (von 58) an, am deutlichsten fiel die Anhebung bei Volkswagen aus: von 77 auf 89 Euro. BMW notiert aktuell bei rund 63 Euro, Mercedes-Benz bei knapp 47 Euro – beide liegen damit weiterhin klar unter ihren 52-Wochen-Hochs von 97,90 respektive 62,30 Euro, haben sich auf Monatssicht aber bereits erholt. Ganz anders das Bild im Konsumsegment: Baird stufte adidas am Montag auf „Neutral“ zurück und senkte das Kursziel auf 165 Euro (von 180), die Aktie notiert aktuell bei rund 144 Euro. Auch bei Luxusgütern überwiegt Vorsicht. JPMorgan kappte das Ziel für LVMH auf 525 Euro (von 580) bei „Neutral“ – die Aktie liegt bei rund 417 Euro, nahe ihrem erst am 10. September markierten 52-Wochen-Tief. Hermès dagegen bleibt bei Bernstein Research „Outperform“ mit Kursziel 2.150 Euro, trotz eines Aktienkurses von rund 1.419 Euro, nur knapp über dem am Montag erreichten 52-Wochen-Tief. Die Botschaft: Zykliker mit Preissetzungsmacht sind gefragt, Konsum- und Luxustitel stehen weiter unter Bewertungsdruck.

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Während Morgan Stanley die Kursziele für BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen anhebt, rückt die Frage nach dem größten Renditepotenzial deutscher Standardwerte wieder in den Fokus. Ein kostenloser Report stellt drei deutsche Schwergewichte aus Immobilien, Maschinenbau und Premium-Automobilsegment vor und zeigt, welche Aktien im aktuellen Rendite-Wettbewerb die Nase vorn haben könnten. Jetzt Report sichern

Im breiteren Analysten-Radar der vergangenen Tage sticht zudem eine Reihe von Nebenwerten heraus. Barclays hob Hapag-Lloyd am Montag auf ein Kursziel von 105 Euro an (von 100), Berenberg startete die Coverage von 2G Energy mit einem Ziel von 91 Euro – die Aktie notiert aktuell bei rund 55 Euro, nach einem Plus von 68 Prozent binnen zwölf Monaten. UBS bestätigte Rational mit „Buy“ und Kursziel 805 Euro und verweist auf Wachstumspotenzial in Nordamerika, die Aktie lag am Montag bei rund 587 Euro. GSC Research stufte CEWE nach überraschend starken Halbjahreszahlen – der Umsatz übertraf die Erwartungen, Akquisitionskosten von 3,8 Millionen Euro belasteten zwar den Ertrag, die Eigenkapitalquote liegt aber bei robusten 71 Prozent – auf „Kaufen“ mit Kursziel 146 Euro, bei einem Aktienkurs von rund 108 Euro. Jefferies bestätigte AB Inbev mit „Buy“ und Kursziel 86 Euro, JPMorgan beließ Gea Group bei „Neutral“ mit Ziel 67,50 Euro. In Summe ein Bild selektiver Kaufempfehlungen in einem Umfeld, das pauschale Index-Wetten kaum noch belohnt.

Auch Bitcoin spürt die Zinserwartung

Bitcoin bewegt sich nach einem Wochenverlust von rund 4 Prozent aktuell bei etwa 77.000 Dollar, weiterhin deutlich unter dem 52-Wochen-Hoch von rund 126.000 Dollar. Aus US-Spot-Bitcoin-ETFs flossen in der Woche bis zum 10. September rund 463 Millionen Dollar ab, während Ethereum-ETFs am selben Tag rund 216 Millionen Dollar an Zuflüssen verzeichneten – ein Hinweis auf eine mögliche Rotation institutionellen Kapitals von Bitcoin Richtung Ethereum, das sich aktuell bei rund 2.485 Dollar hält. Zusätzlich bauten gehebelte Fonds vor der Fed-Sitzung Short-Positionen in Bitcoin auf. Wer im Kryptomarkt investiert ist, sollte sich auf erhöhte Volatilität rund um die Zinsentscheidung einstellen – historisch reagiert dieser Markt auf restriktive Fed-Überraschungen empfindlich.

Das große Bild

Die kommenden Tage werden von der Fed-Entscheidung am Mittwochabend dominiert, die aller Voraussicht nach die erste Zinserhöhung seit langer Zeit bringt. Entscheidend ist dabei nicht nur der Zinsschritt selbst, sondern der Ausblick für die Sitzungen bis Ende 2027 – Ökonomen rechnen mit weiteren Anhebungen. Parallel bleibt die Lage am Golf ein Risikofaktor für Ölpreise und damit für die Renditeentwicklung bei Bundesanleihen. Die vier Handelstage seit Freitag haben eines deutlich gemacht: Wer pauschal auf den Gesamtmarkt setzt, kämpft gegen zwei Gegenwinde gleichzeitig – Zins und Öl. Wer stattdessen auf Einzeltitel mit klarer struktureller Story schaut, wie Commerzbank mit seiner Zinsspanne oder SAP mit seinem technischen Signal, findet auch in diesem Umfeld Substanz.

Eduard Altmann

Eduard Altmann ist Finanzexperte mit über 25 Jahren Erfahrung an den globalen Finanzmärkten. Als Analyst und Autor beim VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft spezialisiert er sich auf Aktienmärkte, Gold, Silber, Rohstoffe und den Euro.

Altmann ist überzeugter Verfechter des Value-Investing und identifiziert unterbewertete Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial. Sein Börsendienst "Megatrend-Depot" vermittelt praxisnahe Strategien erfolgreicher Value-Investoren. Mit seinem Motto "Manage dein Vermögen selbst" inspiriert er Anleger zur eigenverantwortlichen Vermögensverwaltung.

Seine Analysen basieren auf der fortschrittlichen Gann-Strategie, die präzise Vorhersagen für Rohstoffmärkte ermöglicht. Diese technische Analysemethode kombiniert historische Daten mit Zyklusanalysen und macht seine Marktprognosen besonders treffsicher.

Durch zahlreiche Publikationen und verständliche Erklärungen komplexer Finanzthemen unterstützt Altmann sowohl Einsteiger als auch erfahrene Investoren bei fundierten Anlageentscheidungen. Seine Arbeit verbindet theoretische Expertise mit praktischen Empfehlungen für den strategischen Vermögensaufbau.