Microsoft will Windows zur Plattform für KI-Agenten machen, die direkt auf dem Rechner arbeiten. Dafür zeigt der Konzern heute in San Francisco ein neues Notebook mit Nvidia-Chips. Konzernchef Satya Nadella und Nvidia-Chef Jensen Huang stellen den Surface Laptop Ultra gemeinsam vor.
Rechenleistung zurück auf den Desktop
Die Strategie dahinter ist eindeutig. Aufgaben wie das Schreiben von Code sollen nicht mehr zwingend in den teuren Azure-Rechenzentren laufen, sondern auf leistungsstarken Windows-Geräten bei Firmen und Privatnutzern. Die Hardwarekosten tragen dann die Kunden. Auch Apple verfolgt diesen Markt mit neuen Macs.
Für Nvidia geht es um mehr als ein Gerät. Der Chipkonzern will in einen der letzten großen Märkte vordringen, den bislang Intel und AMD dominieren. Grundlage sind die RTX-Spark-Chips, die im Juni vorgestellt wurden.
Ein Hindernis ist der Preis. Wegen knapper und teurer Speicherchips sind Laptops und Desktops spürbar teurer geworden. Nvidia hob den Preis seines KI-Desktops DGX Spark zuletzt um rund 75 Prozent auf 6.950 Dollar an.
Ein Analyst von Moor Insights & Strategy fasst es so zusammen: Die Software sei inzwischen bereit, die Hardware aber zu teuer, um sie lokal auszureizen. Hinzu kommt die Frage, ob sich KI-Agenten auf privaten Rechnern sicher eingrenzen lassen.
Analysten bleiben optimistisch
Die Aktie schloss gestern bei 529,30 Dollar und liegt damit knapp unter dem Rekord von 555 Dollar aus dem vergangenen Jahr. Seit dem Tief im Juni hat sie rund 49 Prozent zugelegt.
JPMorgan-Analyst Samik Chatterjee sieht den fairen Wert bei 625 Dollar und bleibt bei „Overweight“. Ihn überzeugt die neue Copilot-Produktpalette, zudem ist er für Azure positiv gestimmt. Melius Research stufte die Aktie von „Hold“ auf „Buy“ hoch und hob das Kursziel von 465 auf 665 Dollar.
Analyst Ben Reitzes argumentiert, dass die Warnungen vor KI-Risiken etablierten Anbietern nutzen. Unternehmen könnten eher auf Konzerne setzen, die tief in der IT-Infrastruktur verankert sind und Sicherheit und Kontrolle liefern. Microsofts Daten in Teams, SharePoint und OneDrive sowie das Cybersecurity-Geschäft spielen ihm dabei in die Karten. Gegenüber Amazon und Alphabet sei der Konzern zudem weniger von Werbeerlösen abhängig.
Gegenwind aus der Politik
Nicht alles läuft rund. San Francisco verhängte einen 45-tägigen Baustopp für neue Rechenzentren, der verlängert werden kann. Weitere Kommunen schränken die Branche ebenfalls ein. Microsoft ist als Cloud-Betreiber indirekt betroffen, die Aktie reagierte allerdings kaum.
Der Blick richtet sich nun auf die Details der heutigen Präsentation: Preis und Marktstart des Surface Laptop Ultra zeigen, ob Microsofts Wette auf lokale KI bei den Kunden ankommt.
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