Microsoft lässt einen Vertrag über gemietete KI-Rechenkapazität von Oracle auslaufen. Bloomberg berichtet heute, dass ältere Nvidia-Chips die Anforderungen des Unternehmens nicht mehr erfüllten. Der Schritt spricht für eine gezieltere Auswahl der Infrastruktur, während Microsoft wegen der starken Azure-Nachfrage weiterhin zusätzliche Kapazitäten benötigt.
Ältere Hardware verliert an Bedeutung
Den Vertrag hatten Microsoft und Oracle 2023 vereinbart. Nach dem Bloomberg-Bericht hat Microsoft die genutzte Kapazität in den vergangenen Monaten zurückgefahren und die Vereinbarung nicht verlängert. Die finanziellen Konditionen wurden nicht offengelegt.
Für Anleger steht damit die technische Eignung angemieteter Rechenleistung im Mittelpunkt. Der Wechsel kann Microsoft helfen, seine Infrastruktur auf veränderte Anforderungen auszurichten, sofern geeignete Ersatzkapazitäten rechtzeitig verfügbar sind. Gerade daran hängt die wirtschaftliche Bewertung des Rückzugs.
Oracle erklärte gegenüber Reuters, die Nachfrage nach seiner KI-Infrastruktur sei einschließlich älterer Grafikprozessoren weiterhin stark. Dieselbe Hardware kann somit für andere Kunden attraktiv bleiben, während Microsoft andere Anforderungen an die eingesetzten Systeme stellt.
Azure benötigt weiterhin zusätzliche Kapazität
Microsoft meldete für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 ein Azure-Umsatzwachstum von 48 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Gespräch zu den Quartalszahlen am 28. Oktober erklärte das Unternehmen, dass die Nachfrage das verfügbare Angebot überstieg.
Einige erwartete Kapazitätslieferungen von Drittanbietern verzögerten sich. Dieser Engpass macht die Auswahl geeigneter Partner besonders wichtig: Zusätzliche Rechenleistung unterstützt das Wachstum erst, wenn sie einsatzbereit ist und Microsofts technische Anforderungen erfüllt.
Finanzchefin Amy Hood erwartete für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2027 ein währungsbereinigtes Azure-Wachstum von 49–50 Prozent. Ein Teil der Verträge zur Bereitstellung von Grafikprozessoren als Dienstleistung verschob sich auf die zweite Geschäftsjahreshälfte.
Die Prognose spricht für anhaltend hohe Nachfrage. Für die Umsetzung kommt es darauf an, dass Microsoft die benötigte Infrastruktur verfügbar macht und verschobene Kapazitäten tatsächlich anlaufen.
Hoher Mittelzufluss trifft auf Investitionsbedarf
Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 erzielte Microsoft einen freien Mittelzufluss von 18,6 Milliarden US-Dollar. Damit lag der Wert rund 10 Milliarden US-Dollar über den Analystenerwartungen.
Dieser Mittelzufluss stärkt den finanziellen Spielraum für den Ausbau. Er ist für Anleger besonders relevant, solange Microsoft hohe Investitionen vorfinanzieren muss und zusätzliche Kapazitäten erst später Umsatz ermöglichen.
Hood prognostizierte für das zweite Geschäftsquartal Investitionen von mehr als 50 Milliarden US-Dollar. Für das Kalenderjahr 2026 stellte sie rund 170 Milliarden US-Dollar in Aussicht.
Der Oracle-Rückzug passt damit zu einem anspruchsvollen Ausbaukurs: Microsoft braucht mehr Rechenleistung, muss zugleich aber deren technische Eignung sichern. Für die Aktie spricht das starke Azure-Wachstum, sofern neue Kapazitäten rechtzeitig produktiv werden und der hohe Mittelzufluss den Investitionskurs weiter trägt.
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