Die Übernahmepläne von BASF für den Spezialchemiekonzern Evonik stoßen bei Arbeitnehmervertretern und in der Politik auf deutliche Vorbehalte. Im Zentrum der Debatte steht die Frage, unter welchen Bedingungen und mit welchen Garantien eine Konsolidierung der beiden Konzerne überhaupt denkbar wäre.
Nachdem das ursprüngliche BASF-Übernahmeangebot an Evonik von 22,15 Euro je Aktie als zu niedrig zurückgewiesen wurde, formiert sich auf mehreren Ebenen Widerstand gegen einen schnellen Verkauf.
Gewerkschaften und Politik mahnen zur Vorsicht
Warnende Stimmen kommen insbesondere von der Gewerkschaftsseite. Nach Angaben des Handelsblatts hinterfragten IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis und Vorstand Alexander Bercht am 8. Oktober in einem Schreiben an Betriebsräte einen möglichen vollständigen Verkauf von Evonik an BASF.
Die Gewerkschafter warnten vor unüberlegten Schritten. Auch die nordrhein-westfälische Landespolitik bezog Stellung: Wirtschaftsministerin Mona Neubaur sprach sich am 14. Oktober im Landtag gegen den Zusammenschluss aus und begründete ihre Haltung mit dem Schutz der Standorte sowie der Beschäftigten.
Aufseiten der Großaktionäre hält man sich unterdessen bedeckt. Wie das Handelsblatt berichtete, ließ sich das Kuratorium der RAG-Stiftung zwar über das Interesse von BASF informieren, traf jedoch keine Festlegung und verwies stattdessen auf die Verhandlungen der Unternehmensführungen.
BASF signalisiert Zugeständnisse bei Standorten
Um den Bedenken zu begegnen, zeichnen sich auf Bieterseite erste Kompromisslinien ab. Laut Reuters erklärten zwei BASF nahestehende Personen am 12. Oktober, dass der Ludwigshafener Konzern bereit sei, vertragliche Garantien für deutsche Standorte sowie Beschäftigungssicherungen abzugeben.
Eine offizielle Stellungnahme dazu lehnte BASF ab. Am Kapitalmarkt spiegelt sich die anhaltende Spekulation wider: Die Evonik-Aktie notiert bei 20,96 Euro und verzeichnet seit Jahresanfang einen Anstieg von 57 Prozent.
Operative Initiativen vor den Quartalszahlen
Abseits des Übernahmethemas treibt Evonik eigene Vorhaben voran. Das Unternehmen brachte gestern mit Lypron eine pansenstabile Lysinlösung für Wiederkäuer auf den Markt. Zudem startete der Konzern vor gut einer Woche mit Partnern eine Recycling-Initiative für Polyurethanschaum in Japan. Neue Einblicke in die operative Verfassung erwarten Anleger am 3. November 2026, wenn Evonik die Geschäftsergebnisse für das dritte Quartal vorlegt.
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