Die Situation rund um Evonik verdichtet sich zu einem Kräftemessen an mehreren Fronten. Während der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF um den Essener Spezialchemiehersteller wirbt, treibt das Evonik-Management eigene strategische Weichenstellungen voran. Für Anleger geht es dabei um die Frage, ob die Eigenständigkeit des Unternehmens oder ein nachgebessertes Übernahmeangebot den größeren Wert verspricht.
BASF verlangt Einblick in die Bücher
Im Zentrum der Überlegungen steht die Offerte von BASF. Der Chemiekonzern hatte ein erstes Angebot von 22,15 Euro je Aktie vorgelegt. Die Evonik-Führung wies diesen Vorstoß jedoch als zu niedrig zurück.
Laut Reuters zeigte sich BASF daraufhin bereit, deutsche Standorte sowie bestehende Beschäftigungsgarantien zu erhalten. Diese Zusagen sollten im Falle einer Einigung fest in einer Vereinbarung verankert werden. Medienberichten zufolge signalisierte BASF zudem prinzipielle Bereitschaft, über ein höheres Angebot zu sprechen. Voraussetzung dafür sei allerdings ein vorheriger Einblick in die Bücher von Evonik.
Widerstand aus der Landespolitik
Gegen einen solchen Zusammenschluss formiert sich politischer Gegenwind. Der nordrhein-westfälische Landtag debattierte auf Antrag der SPD über das Übernahmeangebot von BASF. Im Rahmen dieser parlamentarischen Debatte positionierte sich die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen eindeutig gegen eine Übernahme von Evonik durch den Ludwigshafener Konzern.
Die politische Haltung stärkt dem Management den Rücken, das weiterhin auf die eigene Unternehmensstrategie setzt. Neben dem Abwehrkampf gegen BASF treibt Evonik operative Projekte voran. So startete das Unternehmen gemeinsam mit Toyotsu Chemiplas und Sanyo Chemical Industries vor gut einer Woche eine Initiative zur Entwicklung eines Recyclingmodells für Polyurethanschaum in Japan.
Entscheidung beim Oxeno-Verkauf naht
Parallel dazu nimmt die Restrukturierung des Portfolios Gestalt an. Der Verkaufsprozess für die C4-Sparte Oxeno läuft in der zweiten Runde weiter. Im Bieterfeld befinden sich Medienberichten zufolge mehrere Finanzinvestoren sowie strategische Interessenten. Die Vorlage der finalen Gebote wird für November erwartet.
Die Gemengelage aus Übernahmespekulation und Konzernumbau spiegelt sich im Kurs wider. Das Papier notiert bei 21,36 Euro. Damit verzeichnet die Aktie seit Jahresanfang einen Wertzuwachs von 60 Prozent. Der Markt preist damit sowohl die operative Neuausrichtung als auch die Möglichkeit eines verbesserten Übernahmeangebots ein.
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