Die Zurückweisung der ersten BASF-Avancen lenkt den Blick der Anleger auf die Bewertung und die eigenständige Strategie von Evonik. Mit einem Schlusskurs von Freitag bei 20,66 Euro verzeichnet das Papier seit Jahresanfang einen Zuwachs von 55 Prozent. Im Raum steht die Frage, wie tragfähig das eigene Spar- und Wachstumsprogramm im Vergleich zu einer möglichen Übernahmeprämie ist.
Laut Reuters wies Evonik einen ersten Vorschlag von BASF über rund 22,15 Euro je Aktie als zu niedrig zurück. Das Handelsblatt bezifferte das Volumen dieses ersten Vorstoßes auf rund 10 Milliarden Euro. Evonik selbst hatte zuvor eine unverbindliche Ansprache des Ludwigshafener Konzerns bestätigt, gleichzeitig jedoch betont, dass derzeit keine Gespräche stattfänden. In die Sondierungen war auch die Großaktionärin RAG-Stiftung eingebunden.
Analystenlob und veränderte Aktionärsstruktur
Die DZ Bank reagierte auf die veränderte Gemengelage und hob am 28. September den fairen Wert für Evonik von 21 auf 22 Euro an. Die Einstufung beließ das Institut auf „Kaufen“. Zusätzliches Kurspotenzial ergebe sich aus der Übernahmefantasie, erklärten die Analysten. Zugleich verwiesen sie auf offene Fragen zur Finanzierung, zu Synergien sowie zur Haltung der RAG-Stiftung.
Parallel zu den Fusionsspekulationen meldete der Spezialchemiekonzern eine Veränderung im Kreis seiner Anteilseigner. Die Beteiligungsgesellschaft AVGP Limited reduzierte ihre Stimmrechte an Evonik von zuvor knapp 5,00 Prozent auf 2,81 Prozent. Der meldepflichtige Schwellenübertritt erfolgte am 24. September.
Eigene Wachstums- und Sparziele im Blick
Unabhängig von externen Übernahmebestrebungen treibt das Management die Neuausrichtung voran. Vor rund zwei Wochen stellte das Unternehmen die Eckpunkte der zweiten Phase des Effizienzprogramms „Evonik Tailor Made“ für die Jahre 2027 bis 2029 vor. Weltweit sollen 3.200 Stellen entfallen, davon rund 2.150 Arbeitsplätze in Deutschland.
Gezielte Mittel fließen dennoch in ausgewählte Produktionsstätten. Am Standort Fermas in der Slowakei starteten die Bauarbeiten für eine Erweiterung der Biotechnologie-Kapazitäten mit einer Gesamtinvestition von rund 80 Millionen Euro.
Den nächsten wichtigen Meilenstein für die fundamentale Beurteilung bildet der 3. November. An diesem Termin legt Evonik den Quartalsbericht für das dritte Quartal vor und liefert frische Einblicke in die operative Geschäftsentwicklung.
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