Ein neuer Großauftrag hat dem dänischen Windkraftanlagenbauer Vestas zum Auftakt des vierten Quartals kräftigen Schub verliehen. Das Unternehmen sicherte sich eine Bestellung über 522 Megawatt für ein Projekt in Nordamerika. An den Finanzmärkten sorgte der Vertriebserfolg für eine spürbare Belebung: Die Aktie legte am Freitag um 5,5 Prozent zu und ging bei 26,67 Euro aus dem Handel.
Der neue Vertrag erweitert den Auftragsbestand nach einem arbeitsreichen Quartalsende. Allein im dritten Quartal sammelte Vestas ein bekannt gegebenes Ordervolumen von 2.754 Megawatt ein, wobei unangekündigte Aufträge in dieser Zwischenbilanz noch nicht enthalten sind.
Internationale Auftragseingänge und neue Anlagengenerationen
Neben dem nordamerikanischen Großprojekt meldete der Konzern weitere Vertriebserfolge in Asien. In Vietnam schloss Vestas Verträge über die Lieferung von 16 Turbinen des Typs V163 für zwei Windparks in Zentralvietnam ab. Die Vereinbarungen umfassen langfristige Serviceverträge über eine Laufzeit von 20 Jahren. Die Auslieferung der Anlagen ist für das Jahr 2027 vorgesehen.
Zugleich treibt das Unternehmen die Markteinführung seiner neuesten Turbinengeneration voran. Für die kürzlich vorgestellte Anlage V182 mit einer Leistung von 7,2 Megawatt verbuchte der Hersteller den ersten Auftrag aus Schweden.
Der Entwickler SR Energy bestellte vier Einheiten für das Projekt Staverhult mit einer Gesamtleistung von 29 Megawatt. Verbunden ist dieser Vertrag mit einer Servicevereinbarung über 35 Jahre, während die Auslieferung für das Jahr 2028 geplant ist.
Politische Debatte um europäischen Wettbewerb
Während die Nachfrage nach Windturbinen anzieht, wächst die Diskussion über die Wettbewerbsbedingungen der Branche. Am heutigen Samstag forderte Vestas-Chef Henrik Andersen ein entschiedeneres Handeln der Politik in Europa.
Mit Blick auf die zunehmende Konkurrenz durch chinesische Anbieter betonte er, dass Europa seine Naivität ablegen müsse. Andersen plädierte für eine stärkere Industriepolitik, widerstandsfähige Lieferketten sowie klare Rahmenbedingungen für heimische Hersteller, da die Energiesicherheit eine zentrale Rolle spiele.
Unterstützung für den Erhalt europäischer Fertigungskapazitäten kommt unterdessen aus Großbritannien. Die britische Regierung bestätigte einen Zuschuss in Höhe von 20 Millionen Pfund für das Vestas-Werk auf der Isle of Wight.
Die Mittel dienen der Umrüstung des Standorts auf die Fertigung von Onshore-Rotorblättern. Dadurch sollen rund 300 von 600 Arbeitsplätzen vor Ort gesichert werden, während weitere 140 Stellen im Forschungs- und Entwicklungsbereich verbleiben.
Die jüngste Auftragsdynamik verschafft dem dänischen Hersteller operativen Rückhalt. Auf Jahressicht verzeichnet das Papier ein Plus von 56 Prozent und behauptet sich damit in einem von energiepolitischen Debatten geprägten Marktumfeld.
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