Mehr als 60 Milliarden US-Dollar an neuen KI-Serveraufträgen bilden den Kern der positiven Einschätzung von Rosenblatt zu Super Micro Computer. Die heute bekräftigte Analyse stellt damit die Umsetzung des Auftragsbestands in den Mittelpunkt. Für Anleger geht es nicht allein um Nachfrage: Entscheidend sind auch die erwartete Bruttomarge und Fortschritte bei den internen Kontrollen.
Auftragsvolumen trifft auf hohe Erwartungen
Rosenblatt-Analyst Sajal Dogra zufolge stammen die neuen Aufträge von mehr als 20 Kunden. Für das Quartal ab Januar 2027 erwartet das Analysehaus den Hochlauf der Nvidia-Vera-Rubin-Plattform. Dieser erwartete Produktionsanlauf ist ein wichtiger Terminanker für die optimistische Einschätzung.
Die Aufträge stützen Dogras Wachstumsargument. Sie sind allerdings nicht mit bereits verbuchten Umsätzen gleichzusetzen. Für die Bewertung zählt deshalb, wie Super Micro die Nachfrage in Geschäftsergebnisse überführt. Rosenblatt richtet den Blick ausdrücklich auch auf Bruttomarge und Cashflow.
Bereits im August stellte Super Micro für das Geschäftsjahr 2027 einen Umsatz von 65–72 Milliarden US-Dollar in Aussicht. Damit formulierte das Unternehmen einen deutlich ambitionierteren Ausblick als die damaligen Markterwartungen.
Die hohe Prognose unterstreicht die Wachstumsambitionen. Sie erhöht zugleich die Bedeutung der operativen Umsetzung: Ein großer Auftragsbestand allein beantwortet noch nicht die Frage nach der Profitabilität.
Die damalige Analystenschätzung lag bei 52,5 Milliarden US-Dollar. Rosenblatt erwartet für das Geschäftsjahr 2027 eine Bruttomarge von 11 Prozent.
Bewertung hängt nicht nur am Umsatz
Dogras Argumentation verbindet die Nachfrage mit einer aus seiner Sicht günstigen Bewertung. Dabei bleibt die Margenprognose eine Erwartung und kein bereits erreichtes Ergebnis. Das ist für die Einordnung des Kursziels wesentlich.
Rosenblatt bestätigt die Kaufempfehlung mit einem Ziel von 51 US-Dollar. Dieses basiert auf etwa dem Zehnfachen des prognostizierten Gewinns je Aktie im Geschäftsjahr 2027.
Die positive Sicht setzt somit voraus, dass sich die erwarteten Gewinne tatsächlich einstellen. Hohe Bestellungen und eine günstige Bewertung auf Basis künftiger Ergebnisse ersetzen keinen Nachweis stabiler Ertragskraft.
Nach Angaben von Rosenblatt sind die Gewinnschätzungen des Marktes in den vergangenen drei Monaten um rund 30 Prozent gestiegen. Die Erwartungen an Super Micro haben damit bereits deutlich zugelegt.
Kontrollprobleme bleiben Teil der Anlageentscheidung
Neben der operativen Entwicklung bleiben die internen Kontrollen ein zentraler Unsicherheitsfaktor. Rosenblatt sieht die Chance auf eine geringere Governance-Abwertung, falls die Abschlussprüfung erfolgreich abgeschlossen wird und das Unternehmen bei seinen Kontrollen vorankommt. Das ist ausdrücklich eine bedingte Einschätzung.
Laut CFO Dive wurden im März der Mitgründer Yih-Shyan Liaw sowie ein weiterer Manager und ein Auftragnehmer wegen mutmaßlichen Server-Schmuggels nach China angeklagt. Super Micro selbst wurde nicht als Angeklagter genannt. Im April leitete das Unternehmen eine unabhängige Untersuchung ein.
Der Anlagefall verbindet damit eine starke, von Rosenblatt beschriebene Nachfrage mit weiterhin relevanten Kontroll- und Compliance-Risiken. Die entscheidenden Prüfsteine sind die Umsetzung der Aufträge, die erwartete Profitabilität und belastbare Fortschritte bei den internen Kontrollen. Erst gemeinsam tragen sie die optimistische Bewertung.
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