Der Technologiekonzern Siemens stellt zum Start in den Oktober wichtige Weichen. Seit gestern greift eine tiefgreifende Neuordnung der Konzernorganisation, bei der bisher getrennte Einheiten zusammengeführt werden. Zeitgleich vermeldet die Bahnsparte Siemens Mobility einen operativen Meilenstein in Nordamerika: Bei der US-Bahngesellschaft Amtrak haben die ersten neuen Regionalzüge den fahrplanmäßigen Betrieb aufgenommen.
Reorganisation und Fokus auf industrielle KI
Die interne Umstrukturierung soll die Abläufe im Kerngeschäft straffen. Siemens bündelt Aktivitäten in einer neu geschaffenen Sparte für Automatisierung, deren Leitung Rainer Brehm übernimmt. Ziel des Konzerns ist es, die Ausrichtung auf industrielle Software, Automatisierungstechnik und künstliche Intelligenz weiter zu schärfen.
Bei den Zukunftsinvestitionen zeichnet sich dabei eine klare geografische Schwerpunktsetzung ab. Vorstandschef Roland Busch bezeichnete industrielle KI jüngst als Jahrhundertchance. Der Großteil einer dafür geplanten Summe von einer Milliarde Euro fließt in die USA, wo Siemens Basismodelle vor allem an der Westküste entwickelt. Parallel dazu investiert das Unternehmen 300 Millionen Euro in zwei Schaltanlagenwerke im Rhein-Main-Gebiet.
Diese strategische Verteilung verdeutlicht den Kurs, Software- und Modellentwicklung in führenden Innovationszentren voranzutreiben, während gleichzeitig die heimische Fertigungsinfrastruktur gezielt modernisiert wird.
US-Großauftrag geht in den Regelbetrieb
Auf dem nordamerikanischen Markt verzeichnet Siemens Mobility unterdessen sichtbare Fortschritte. Am Mittwoch starteten die ersten beiden Einheiten der neuen Airo-Wendezüge auf der Cascades-Strecke zwischen Vancouver, Seattle, Portland und Eugene den regulären Fahrgastverkehr. Weitere Züge sollen die bestehende Flotte bis Anfang 2027 schrittweise ersetzen.
Der Einsatz markiert den Beginn eines der größten Beschaffungsprogramme in der Geschichte von Amtrak. Der Gesamtauftrag umfasst 83 Airo-Züge mit Optionen auf bis zu 130 weitere Einheiten. Gefertigt werden die Fahrzeuge in den US-Werken von Siemens Mobility in Sacramento und Lexington. Das gesamte Auftragsvolumen beläuft sich auf acht Milliarden US-Dollar.
Mit dem Betriebsstart im Nordwesten der USA stellt Siemens die Lieferfähigkeit bei komplexen Großprojekten unter Beweis. Weitere Einsatzgebiete wie die Northeast-Regional-Linie sind für die kommenden Jahre bereits terminiert und dürften die Auslastung der dortigen Fertigungsstätten absichern.
Aktienrückkauf stützt den Kurs
Parallel zu den operativen Fortschritten führt das Management sein laufendes Kapitalrückkaufprogramm fort. Im Rahmen der im Juli gestarteten Maßnahme mit einem Gesamtvolumen von bis zu sechs Milliarden Euro erwarb das Unternehmen Ende September innerhalb einer Woche 321.167 eigene Aktien über das Xetra-System.
Die kontinuierlichen Käufe verringern die Zahl der frei gehandelten Anteile am Markt und begleiten den Konzernumbau mit stabiler Nachfrage aus den eigenen Barreserven.
An der Börse ging das Papier gestern bei 273,25 Euro aus dem Handel. Seit Jahresanfang verzeichnet die Aktie damit ein Kursplus von 14 Prozent. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch beträgt aktuell minus 6,3 Prozent.
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