Zwei Ölfeld- und Gasprojekte in der britischen Nordsee entscheiden darüber, wie verlässlich Großbritannien als Investitionsstandort wahrgenommen wird. Partner Equinor warnt: Eine Ablehnung könnte den Sektor als „uninvestierbar“ brandmarken. Shell ist an beiden Vorhaben beteiligt.
Jackdaw und Rosebank warten auf Genehmigung
Equinor-Chef Anders Opedal sagte auf dem Energy Intelligence Forum in London, er rechne mit einer Zustimmung für Rosebank und Jackdaw. Ein Nein wäre aber ein „großer Rückschlag“. Dann, so Opedal, würden er und andere fragen, ob Großbritannien noch investierbar sei.
Beide Projekte erhielten 2022 und 2023 ihre erste Genehmigung. Anfang 2025 hob der Court of Session in Schottland diese auf. Grundlage war das Finch-Urteil des Supreme Court von 2024, wonach auch die Emissionen aus der Verbrennung von Öl und Gas zu prüfen sind. Seither müssen die Behörden neu entscheiden.
Die Entscheidung gilt als Test für die Klimapolitik der Regierung unter Premierminister Andy Burnham. Energieministerin Miatta Fahnbulleh erklärte im vergangenen Monat, sie prüfe alle Belege. Der Beschluss zu Jackdaw, ursprünglich für September erwartet, verzögert sich. Hintergrund ist eine Nachwahl in London, bei der Labour gegen die Grünen antritt.
Das Gasfeld Jackdaw liegt rund 150 Meilen östlich von Aberdeen und könnte bereits in diesem Winter Gas liefern. Das käme zur rechten Zeit: Der Krieg im Iran stört die Schifffahrt durch die Straße von Hormus und verknappt das globale Angebot. Gas deckte 2025 laut offiziellen Daten 35 Prozent des britischen Energiebedarfs.
Opedal verwies zudem auf das Wahlprogramm von Labour. Darin hieß es 2024, es werde keine neuen Explorationslizenzen geben, bestehende aber würden respektiert. Die Lizenzen für Jackdaw und Rosebank stammen aus früheren Jahrzehnten.
Sawan setzt in Venezuela auf Gas
Parallel äußerte sich Shell-Chef Wael Sawan zur Strategie in Venezuela. Dort sieht er den Wettbewerbsvorteil im Gas, nicht im Schweröl. Vertrauen entstehe nicht über Nacht, der Ausblick sei „vorsichtig optimistisch“. Im Juni unterzeichnete Shell fünf Vereinbarungen mit dem Land, darunter eine zum Offshore-Gasfeld Loran mit geschätzten 7 Billionen Kubikfuß Reserven.
Sawan meldete außerdem, die Energieexporte aus dem Nahen Osten hätten sich auf mehr als 80 Prozent des Vorkriegsniveaus erholt. Beim Chemiegeschäft gab er sich zurückhaltend: Es sei makroökonomisch ein gutes Geschäft, Shell sehe sich aber nicht als natürlichen Eigentümer dieser Anlagen. Marktbeobachter könnten das als Hinweis auf mögliche Verkäufe lesen.
Die Aktie bewegte sich zuletzt kaum und lag nahe 42,84. Der nächste konkrete Schritt liegt bei der britischen Regierung: Sie muss über Jackdaw und Rosebank entscheiden, und die Jackdaw-Entscheidung ist nach der verschobenen September-Frist nun überfällig.
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