Startseite » Earnings » Was zahlt die Börse diese Woche? Bares Geld statt großer Versprechen
Symbolbild, KI-generiert

Was zahlt die Börse diese Woche? Bares Geld statt großer Versprechen

Ölkonzerne steigerten ihre Rückkäufe, während gekürzte Prognosen und hoher Investitionsbedarf Aktien belasteten.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Caterpillar-Auftragsbestand erreicht 78,1 Milliarden Dollar
  • Shell erhöht Aktienrückkauf, Investitionsrahmen sinkt
  • Mercedes senkt Margenausblick fürs Pkw-Geschäft
  • Alphabet verzeichnet Mittelabfluss im Quartal

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Börse belohnt in diesen Tagen Unternehmen, deren Geschäft sichtbar Geld in die Kasse bringt. Bestraft wird, wer Rekordumsätze meldet, aber Kapazitätsgrenzen, Kapitalhunger oder gekappte Ziele gleich mitliefert. Die Messgröße dahinter ist der freie Cashflow. Gemeint ist das Geld, das nach allen Investitionen übrig bleibt.

Die Notenbanken haben in dieser Woche pausiert. Die eigentliche Bewertungsarbeit erledigen gerade die Unternehmen selbst.

Caterpillar: Ausgebucht heißt nicht wertvoll

Caterpillar hat am Donnerstag ein Quartal vorgelegt, das auf dem Papier kaum besser sein könnte. Der Auftragsbestand erreichte mit 78,1 Milliarden Dollar einen Rekord. Getrieben wird er von Stromerzeugungsanlagen für KI-Rechenzentren.

Die Aktie brach dennoch um rund neun Prozent ein. Warum? Das Unternehmen bestätigte für 2026 nur ein Umsatzwachstum „im mittleren bis hohen Zehnerbereich“, der Markt hatte mehr fest eingeplant. Hinzu kommen Zollkosten und Lieferzeiten für Gasturbinen bis 2030.

Ein Auftragsbuch, das sich nur zu 58 Prozent in den nächsten zwölf Monaten abarbeiten lässt, ist für die Bewertung weniger wert, als es klingt. Wer bei Caterpillar einsteigt, kauft ein ausgebuchtes Unternehmen mit Margendruck. Die Rückkehr zur Mitte der Margenspanne hat das Management selbst erst für „die nächsten Jahre“ angekündigt.

Öl: Die Raffinerien finanzieren die Rückkäufe

Shell und TotalEnergies meldeten am Donnerstag die höchsten Quartalsgewinne seit 2022. Shell erhöhte den Aktienrückkauf und senkte zugleich den Investitionsrahmen, TotalEnergies kündigte Rückkäufe für die kommenden Quartale an. Woher kommt das Geld? Die Raffineriemargen haben sich binnen eines Jahres vervierfacht.

Am Freitagmorgen legte BP mit einem Quartalsgewinn von 8,5 Milliarden Dollar nach, klar über den Erwartungen. Heute Nachmittag folgen ExxonMobil und Chevron. Für Chevron erwartet der Markt einen freien Cashflow, der etwa das Doppelte dessen beträgt, was Dividende und Rückkäufe kosten.

Vorsicht gehört trotzdem dazu. Der S&P-Raffinerie-Index ist in diesem Jahr bereits kräftig gestiegen, und BTIG warnt vor einer Umkehr bei Marathon und Valero. Brent über 115 Dollar hängt an der Iran-Lage. Die Rückkäufe sind real und finanziert, die Margen dahinter schwanken jedoch mit dem Zyklus.

Volkswagen und Mercedes: Die Kasse macht den Unterschied

Volkswagen meldete am Donnerstag den höchsten Quartalsverlust seit Ende 2015. Den Löwenanteil macht eine Abschreibung auf Porsche aus, die nicht zahlungswirksam ist, also kein Bargeld kostet. Dass die Vorzüge trotzdem zulegten, erklärt sich über die Liquidität.

Jefferies bleibt bei „Buy“, der Kaufempfehlung, mit Kursziel 120 Euro. Bei einem Kurs um 70 Euro bezahlt der Markt die Sanierung noch nicht.

Mercedes-Benz zeigt das Spiegelbild. Am Dienstag kappte Mercedes-Benz die Margenprognose für das Pkw-Geschäft. Der freie Cashflow im Industriegeschäft lag im Quartal 89 Prozent unter Vorjahr. Bei rund 40 Euro ist die Aktie ein Dividendenversprechen, dessen Deckung gerade dünner wird.

DAX: Gekappte Ziele kosten zweistellig

Die Deutsche Bank steigerte den Vorsteuergewinn im dritten Quartal auf über 2,6 Milliarden Euro und führte am Mittwoch den DAX an. BASF hob die Gewinnprognose an. Berenberg und JPMorgan erhöhten zwar ihre Kursziele für BASF, beide liegen aber unter dem aktuellen Kurs.

Symrise verlor am Mittwoch rund zehn Prozent, weil die Marge 2026 nur die untere Hälfte der Zielspanne erreichen soll. Vonovia fiel am Donnerstag auf ein Zwölfjahrestief, nachdem der Konzern seine Ziele bis 2028 ans untere Ende der Spannen gerückt hatte.

Was heißt das für Anleger? Prognoseanhebungen brachten in dieser Woche niedrige einstellige Kursgewinne, Prognosesenkungen kosteten zweistellig. Diese Schieflage spricht für Unternehmen, deren Ziele bereits vorsichtig gesetzt sind. Abseits des Leitindex schlugen Salzgitter und Basler die durchschnittliche Analystenerwartung deutlich und hoben ihren Ausblick an.

Anzeige

Wie zuverlässig einzelne Aktien nach Quartalszahlen mit deutlichen Kurssprüngen reagieren, hat Bernd Wünsche anhand von über 500 Werten aus S&P 500 und Nasdaq 100 systematisch untersucht. Die Muster bei Symrise, Vonovia oder Caterpillar in dieser Woche zeigen, wie stark Kursreaktionen auf Zahlen ausfallen können – Wünsche hat geprüft, bei welchen Unternehmen sich solche Bewegungen über acht Quartale hinweg wiederholen. Anhand von 16 Datenpunkten pro Unternehmen filterte er zunächst 88 Werte heraus, die acht Quartale in Folge sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn über den Erwartungen lagen, darunter Apple, Netflix, AMD und Seagate. Von diesen 88 blieben am Ende 11 übrig, die in mindestens sechs der letzten acht Quartale nach den Zahlen spürbar nach oben sprangen. Im Live-Webinar „Quartals-Rally-Trading“ stellt Bernd Wünsche diese elf Werte am 01.11.2026 um 18:00 Uhr vor und erläutert sein Vorgehen bei Sofort-Trades rund um Quartalstermine. Jetzt kostenlos zum Webinar anmelden

Tech: Der KI-Ausbau kostet sichtbar Geld

Alphabet verlor am Donnerstag rund 12,6 Prozent. Im Quartal floss bei Alphabet mehr Geld hinaus, als das Geschäft einbrachte. Amazon wies für die letzten zwölf Monate ebenfalls einen solchen Mittelabfluss aus und hielt am Investitionsplan fest.

Microsoft platziert Anleihen über 25 Milliarden Dollar. Der KI-Ausbau wird nun auch mit geliehenem Geld bezahlt. Intel brach nachbörslich um über 20 Prozent ein, allerdings wegen eines schwachen Ausblicks und anhaltender PC-Schwäche. Ist das ein Warnsignal für Infineon? Weniger, als es aussieht: Intels Problem ist der PC-Markt, nicht die Nachfrage im Rechenzentrum.

Notenbanken: Neue Köpfe, gelassene Anleihen

EZB und Fed ließen die Leitzinsen in dieser Woche erwartungsgemäß unverändert. Für Dezember rechnen die Märkte auf beiden Seiten des Atlantiks mit einer Anhebung. Neu ist der Personalwechsel: Christine Lagarde tritt am 7. Februar 2027 vorzeitig zurück. Ein Direktorium im Umbruch bei 3,8 Prozent Inflation ist kein Stabilitätssignal.

Und die Anleihen? Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen sank im Oktober auf gut 3,35 Prozent, obwohl die Geldmärkte weitere EZB-Schritte einpreisen. Der Markt kauft Sicherheit, nicht Zinsfantasie. Gold rutschte unter eine runde Marke, Bitcoin ebenfalls, nach einem Hack bei Binance.

Das große Bild

Die Woche zeigt, wo Bewertungen derzeit Halt finden: dort, wo Cashflow und Ausschüttung sichtbar zusammenpassen. Das gilt für die Ölkonzerne mit ihren erhöhten Rückkäufen, für die Deutsche Bank und für vorsichtig geführte Nebenwerte. Wo Wachstum erst finanziert oder abgearbeitet werden muss, wie bei Caterpillar, Amazon und Alphabet, verlangt der Markt plötzlich Abschläge.

Heute Nachmittag zeigen ExxonMobil und Chevron, ob die Ölgeschichte diesen Test besteht. Am Dienstag folgen die US-Zwischenwahlen, am Donnerstag die Bank of England. Ich wünsche Ihnen zwei Tage, an denen keine Bilanz nach Ihnen ruft.

Eduard Altmann

Eduard Altmann ist Finanzexperte mit über 25 Jahren Erfahrung an den globalen Finanzmärkten. Als Analyst und Autor beim VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft spezialisiert er sich auf Aktienmärkte, Gold, Silber, Rohstoffe und den Euro.

Altmann ist überzeugter Verfechter des Value-Investing und identifiziert unterbewertete Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial. Sein Börsendienst "Megatrend-Depot" vermittelt praxisnahe Strategien erfolgreicher Value-Investoren. Mit seinem Motto "Manage dein Vermögen selbst" inspiriert er Anleger zur eigenverantwortlichen Vermögensverwaltung.

Seine Analysen basieren auf der fortschrittlichen Gann-Strategie, die präzise Vorhersagen für Rohstoffmärkte ermöglicht. Diese technische Analysemethode kombiniert historische Daten mit Zyklusanalysen und macht seine Marktprognosen besonders treffsicher.

Durch zahlreiche Publikationen und verständliche Erklärungen komplexer Finanzthemen unterstützt Altmann sowohl Einsteiger als auch erfahrene Investoren bei fundierten Anlageentscheidungen. Seine Arbeit verbindet theoretische Expertise mit praktischen Empfehlungen für den strategischen Vermögensaufbau.