Netflix liefert Zahlen im Rahmen der Erwartungen und wird trotzdem abgestraft. Die Aktie rutschte am Mittwoch zeitweise unter 64 Dollar und markierte damit den tiefsten Stand seit August 2024. Der Auslöser sitzt weniger im Abo-Geschäft als in der Werbesparte.
Schwächstes Wachstum seit drei Jahren
Der Umsatz stieg im dritten Quartal um zwölf Prozent auf 12,9 Milliarden Dollar. Das ist der niedrigste Zuwachs seit drei Jahren, entspricht aber den Analystenschätzungen. Der Gewinn legte um rund 44 Prozent auf 3,66 Milliarden Dollar zu.
Der Ausblick enttäuschte dennoch. Für das vierte Quartal peilt Netflix 13,4 Milliarden Dollar Umsatz an, ein Plus von 11,5 Prozent, der Markt hatte mit etwas mehr gerechnet. Zudem senkte das Management die Erwartung für die Werbeerlöse 2026 auf etwa 2,7 Milliarden Dollar, zuvor standen 3,0 Milliarden im Raum. Als Grund nennt es Verzögerungen bei Technik und Integration, die „Monate, nicht Jahre“ dauern sollen.
Kein Wunder, dass Anleger nervös reagieren: Seit Jahresbeginn hat die Aktie mehr als ein Viertel verloren, binnen zwölf Monaten über 40 Prozent.
Umbau an der Spitze
Hinzu kommt ein tiefgreifender Umbau. Netflix strich vergangene Woche rund sechs Prozent der Stellen, etwa 1.000 Jobs. Programmchefin Bela Bajaria musste gehen, ebenso Filmchef Dan Lin. Ihre Aufgaben übernimmt Peter Rice, der zuvor bei Disney Karriere machte.
Co-Chef Ted Sarandos beteuert, die Strategie bleibe unverändert. „Wir wissen, dass wir es besser können“, räumte sein Kollege Greg Peters ein. Einzelne Filme, darunter Greta Gerwigs „Narnia“, sollen zunächst 45 Tage exklusiv ins Kino kommen. Außerdem prüft Netflix, das in Frankreich getestete Modell mit TF1 auf weitere Partner auszuweiten.
Analysten bleiben überwiegend positiv
Die Wall Street zeigt sich gespalten, aber mehrheitlich zuversichtlich. Jefferies bekräftigt die Kaufempfehlung und lobt solide Abonnenten- und Preistrends. Goldman Sachs sieht im stärkeren Fokus auf US-Inhalte den zentralen Hebel. Die Bank of America hält 90 Dollar für erreichbar.
Guggenheim senkt das Kursziel dagegen von 80 auf 78 Dollar, bleibt aber bei „Buy“. Das Haus kappte seine Schätzung für die Werbeerlöse 2027 deutlich auf 4,0 Milliarden Dollar, der Konsens liegt bei 5,2 Milliarden. Rosenblatt, Morgan Stanley und Canaccord haben ihre Ziele ebenfalls gesenkt.
Am Markt wird die Reaktion teils als übertrieben gewertet. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 21,6 ist die Aktie historisch günstig. Ob die Werbesparte die Lücke schließt, dürften die Zahlen zum vierten Quartal zeigen, dort liegt die Latte nun niedriger.
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