Guggenheim blickt zuversichtlicher auf die Geschäftsentwicklung des Streaming-Pioniers vor den anstehenden Quartalszahlen. Analyst Michael Morris bekräftigte gestern seine Kaufempfehlung für die Netflix-Aktie und hob das Kursziel von 75 auf 80 US-Dollar an. Als Kurstreiber vor dem Zwischenbericht sieht das Analysehaus unter anderem ein robustes Wachstum in Nordamerika sowie zusätzliche Erlöspotenziale im Werbegeschäft.
Geteilte Meinungen an der Wall Street
Die Anhebung steht im Kontrast zu vorsichtigeren Stimmen am Markt. Wells Fargo stuft das Papier weiterhin mit „Underweight“ ein und sieht den fairen Wert bei lediglich 57 US-Dollar. Die Analysten der US-Bank werten jüngste Äußerungen der Unternehmensführung als Hinweis darauf, dass es bei Inhalten und Nutzerbindung derzeit nicht rund läuft.
Die Skepsis rührt von einem Auftritt am Mittwoch auf einer Branchenkonferenz in Los Angeles her. Dort räumte Netflix-Co-CEO Ted Sarandos ein, dass das Unternehmen derzeit nicht so schnell wachse wie von ihm gewünscht. Insbesondere die Nutzungskennzahlen spiegeln diesen Trend wider: Im ersten Halbjahr legte die weltweite Sehdauer lediglich um zwei Prozent zu.
Investitionen in Live-Formate und Technologie
Um die Kundenbindung zu stärken, setzt das Management verstärkt auf Live-Übertragungen. Rund fünf Prozent des jährlichen Inhaltebudgets von etwa 20 Milliarden US-Dollar fließen mittlerweile in dieses Segment. Obwohl Live-Sendungen bisher nur rund ein Prozent der gesamten Sehzeit ausmachen, sorgen sie laut Unternehmensführung für überdurchschnittlich viele Neuverträge und verringern Kündigungen.
Parallel dazu treibt der Konzern die Effizienz in der Produktion voran. Seit dem Zukauf des Spezialisten InterPositive im März setzt Netflix generative künstliche Intelligenz bei etwa 300 Titeln ein, vorwiegend in der Nachbearbeitung. Eine milliardenschwere Expansion über Zukäufe schloss Sarandos hingegen aus. Nach dem Rückzug aus dem Bietergefecht um Warner Bros. Discovery setzt der Konzern klar auf organisches Wachstum.
Quartalszahlen rücken in den Fokus
An den Finanzmärkten sorgte die Debatte über das verlangsamte Expansionstempo zuletzt für Verunsicherung. Im gestrigen Handel gab die Netflix-Aktie um 1,7 Prozent nach und beendete den Donnerstag bei 60,37 Euro.
Klarheit über die operative Verfassung versprechen die anstehenden Geschäftszahlen für das dritte Quartal, die das Unternehmen nach US-Börsenschluss am 20. Oktober vorlegen will. Anleger werden dann genau prüfen, ob die Investitionen in Live-Events und das Werbeumfeld bereits die erhoffte Beschleunigung bringen.
Stand heute, 2. Oktober: Netflix – Kaufen, halten oder verkaufen?
Wer in Netflix investiert ist oder einen Einstieg prüft, sollte die Lage jetzt neu bewerten. Die Gratis-Analyse vom 2. Oktober gibt die klare Antwort – und zeigt, warum Abwarten gerade jetzt riskanter sein kann, als es wirkt.
