Microsoft baut an der Unabhängigkeit von externen KI-Anbietern. Der Konzern hat das Vortraining seines neuen Sprachmodells MAI-Base-2 abgeschlossen und verspricht dabei erhebliche Effizienzgewinne.
Ein Modell mit 2,8 Billionen Parametern
MAI-Base-2 umfasst 2,8 Billionen Parameter, von denen pro Aufgabe nur 80 Milliarden aktiv sind. Möglich macht das eine sogenannte Mixture-of-Experts-Architektur. Microsoft zufolge übertraf das Modell jedes getestete Open-Weight-Modell. Gegenüber DeepSeek-V4-Pro-Base sei das Training in vier Tests zwischen 4,2- und 12,3-mal effizienter gewesen.
Trainiert wurde auf 16.000 Nvidia-GB200-Chips, gut fünf Wochen lang im August und September. Neu ist auch die native Verarbeitung von Bildern. Das Modell soll später über Azure AI Foundry an ausgewählte Partner lizenziert werden.
Microsoft betont, auf Originaldaten statt auf Destillation fremder KI-Systeme gesetzt zu haben. Das Modell durchläuft nun das Post-Training, Preise und Marktstart nannte der Konzern nicht. An MAI-Base-3 wird bereits gearbeitet.
Gegenwind aus Washington und von OpenAI
Weniger erfreulich ist die politische Lage. Die US-Regierung will Microsoft und sieben weitere Unternehmen von Green-Card-Anträgen für Fachkräfte ausschließen. Präsident Brad Smith nannte die Vorwürfe von Vizepräsident JD Vance zum H-1B-Programm „völlig daneben“. Die Politik könne den Technologiesektor auf Jahre hinaus schwächen. Zudem habe Microsoft im vergangenen Jahr mehr als 9.000 in den USA geborene Beschäftigte eingestellt.
Dazu kommt ein Risiko bei OpenAI. Acht US-Bundesstaaten klagen gegen den ChatGPT-Entwickler, der Kinderschutz und Sicherheit seines Chatbots betreffen die Vorwürfe.
Microsoft hält rund 27 Prozent an OpenAI, bewertet mit etwa 228 Milliarden Dollar. Das sind knapp sechs Prozent des eigenen Börsenwerts. Bußgelder dürften das kaum berühren, Unterlassungsanträge wären gefährlicher. Für Microsoft ist es ein Bewertungsrisiko, kein Angriff aufs Kerngeschäft.
Kleinere Meldungen runden das Bild ab: Der Oktober-Patchday schloss mehr als 1.400 Sicherheitslücken, so viele wie nie. Unter Windows 11 lässt sich zudem die Einrichtung ohne Microsoft-Konto nicht mehr per Bug umgehen.
Charttechnik vor den Zahlen
Die Aktie schloss am Mittwoch bei 534 Dollar, 1,8 Prozent unter dem Rekordschluss vom Dienstag. An einer fallenden Widerstandslinie drehte sie ab, die Hochs seit Ende März verbindet. Das 52-Wochen-Hoch liegt bei 554 Dollar. Die 50-Tage-Linie bei 504 Dollar stützt den Anstieg seit August. Fällt der Kurs darunter, wäre die Erholung seit dem Sommertief angeschlagen.
Am 28. Oktober legt Microsoft nach US-Börsenschluss die Zahlen zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026/27 vor. Dann zeigt sich, wie stark OpenAI und die Investitionen in eigene KI die Bilanz prägen.
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