Bei LVMH verläuft das Geschäft in China nicht einheitlich: Reuters berichtete am Freitag, dass Loro Piana auf dem chinesischen Festland besser abschneidet als Louis Vuitton. Diese Unterschiede sind für Anleger wichtig. Die Belastungen durch strengere Steuerkontrollen bei wohlhabenden Chinesen und schwächere Luxusausgaben in den USA treffen auf ein Portfolio mit unterschiedlich starken Marken.
Damit greift eine ausschließlich branchenweite Betrachtung zu kurz. Die relative Stärke von Loro Piana bedeutet allerdings nicht, dass LVMH insgesamt bereits auf Erholungskurs ist. Reuters verwies zugleich auf die Erwartung von Analysten, dass die Luxusbranche weiter Gegenwind bekommt. Entscheidend ist deshalb nicht allein die Nachfrage nach Luxusgütern, sondern auch deren Verteilung innerhalb des Konzerns.
Louis Vuitton und Dior im Fokus
Morgan Stanley bestätigte am Donnerstag die neutrale Einstufung „Equalweight“ für LVMH mit einem Kursziel von 450 Euro. Das Haus begründete seine Haltung mit Ermüdungserscheinungen bei Louis Vuitton, einer langsamer als erwartet verlaufenden Erholung von Dior und einer gegenüber dem vorherigen Zeitraum schwächeren chinesischen Luxusnachfrage.
Die Einschätzung richtet den Blick auf konkrete Markenprobleme. Loro Pianas besseres Abschneiden ist daher ein positives Gegengewicht, aber kein Beleg dafür, dass die von Morgan Stanley genannten Schwächen überwunden sind. Auch lässt sich aus einem relativen Vorsprung kein absolutes Umsatzwachstum ableiten.
Ein anderes Bewertungsurteil setzte Goldman Sachs am 4. Oktober: Das Haus nahm LVMH mit einer Kaufempfehlung und einem Kursziel von 500 Euro in die Beobachtung auf. Damit stehen einer neutralen Einschätzung und einer Kaufempfehlung unterschiedliche Erwartungen gegenüber.
Eine konkrete Begründung der Kaufempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten. Für Anleger ist deshalb die Unterscheidung wichtig: Morgan Stanley nennt operative Belastungen einzelner Marken; die Goldman-Sachs-Empfehlung allein widerlegt diese Belastungen nicht.
Umsatzbericht muss die Unterschiede einordnen
LVMH veröffentlicht heute nach dem Pariser Börsenschluss den Umsatz für das dritte Quartal 2026. Der Anleger-Webcast ist für 18:00 Uhr Pariser Zeit vorgesehen.
Für die Einordnung wird besonders relevant, ob die Veröffentlichung zusätzliche Hinweise zur regionalen Nachfrage und zur Entwicklung der Marken liefert. Die von Reuters beschriebene Stärke von Loro Piana und die skeptische Einschätzung zu Louis Vuitton setzen dafür unterschiedliche Bezugspunkte.
Die zentrale Anlegerfrage lautet somit nicht, ob alle Luxusmarken gleichermaßen unter Druck stehen. Vielmehr muss LVMH zeigen, inwieweit stärkere Bereiche die Schwächen anderer Marken auffangen können. Ein relativer Gewinner innerhalb des Portfolios reicht dafür allein noch nicht aus.
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