Ein Rechtsstreit um eine Teemarke wird für LVMH zum Umsatzproblem. Chinesische Kunden haben die Hauptmarke Louis Vuitton im Sommer boykottiert, und das schlägt sich nun in den Quartalszahlen nieder.
Boykott trifft die Modesparte
Im dritten Quartal lag der Umsatz der Mode- und Lederwarensparte auf vergleichbarer Basis fünf Prozent unter dem Vorjahreswert. Auslöser war laut Konzern eine rückläufige Nachfrage in China. Viele Kunden mieden Louis Vuitton im Juli und August, nachdem die Marke einen Rechtsstreit gegen den heimischen Teehersteller Molly Tea gewonnen hatte. Manch einer empfand es als unfair, dass der Weltkonzern gegen den deutlich kleineren Konkurrenten vorging.
Konzernweit wuchs der Umsatz im Quartal organisch um ein Prozent auf 18,5 Milliarden Euro. Analysten hatten mehr erwartet. Nach Börsenschluss in Paris gab die Aktie im nachbörslichen Handel um mehr als zwei Prozent nach.
Andere Sparten fangen auf
Das Bild ist allerdings nicht einheitlich. In den USA, Europa und Japan wuchs das Geschäft solide. Innerhalb der Modesparte entwickelten sich Loro Piana, Celine und Fendi positiv, Dior profitierte von der Nachfrage nach Prêt-à-porter und Lederwaren.
Über die ersten neun Monate legte die Sparte Wines & Spirits organisch um fünf Prozent zu, Uhren und Schmuck wuchsen um acht Prozent. Selective Retailing kam auf sechs Prozent, getragen von Sephora, das in mehreren Ländern Marktanteile gewann. Die Modesparte schrumpfte dagegen um zwei Prozent, Parfüm und Kosmetik blieben unverändert.
Der Konzernumsatz für die ersten neun Monate lag bei 57,15 Milliarden Euro. Das sind zwei Prozent weniger als im Vorjahr, organisch ergibt sich ein Plus von zwei Prozent. Währungseffekte erklären die Differenz.
Analysten bleiben gelassen
RBC bestätigte die Einstufung „Sector Perform“ und das Kursziel von 475 Euro. Analyst Piral Dadhania räumte ein, dass die Modesparte enttäuscht habe. Das überraschend gute Abschneiden von Wein und Spirituosen sowie des Selektiven Einzelhandels habe dies jedoch ausgeglichen.
Für die Aktie bleibt der Druck hoch. Sie hat im laufenden Jahr mehr als 40 Prozent verloren, und kein anderer großer Luxuskonzern büßte an der Börse so stark an Wert ein.
Das Management gibt sich trotz wirtschaftlicher und geopolitischer Unsicherheit zuversichtlich und setzt weiter auf Markenstärke, Produktqualität und Handelskompetenz. Ob sich die Nachfrage in China nach dem Sommerboykott stabilisiert, zeigt sich erstmals in den Zahlen zum vierten Quartal.
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