Der Schweizer Schokoladenhersteller tauscht seine Führung aus. Konzernchef Adalbert Lechner verlässt das Unternehmen mit sofortiger Wirkung, wie Lindt & Sprüngli per Ad-hoc-Mitteilung bekannt gab. Er führte die Gruppe seit Oktober 2022.
Die Börse reagierte verhalten: Der Partizipationsschein gab am Vormittag um rund 1,3 Prozent nach.
Interimslösung mit bekanntem Gesicht
Die Nachfolge ist vorerst intern geregelt. Vizepräsident und Ex-CEO Dieter Weisskopf übernimmt kommissarisch, parallel sucht der Verwaltungsrat einen dauerhaften Nachfolger. Das Gremium begründet den Schritt damit, das Unternehmen brauche neue operative Führung, um „zu konstantem, starkem Wachstum zurückzukehren“ und Chancen in allen Märkten zu nutzen.
Auch die deutsche Tochtergesellschaft bekommt einen neuen Länderchef. Weisskopf nannte als Ziel für die kommenden Monate, das Europageschäft wieder auf Wachstumskurs zu bringen. Die guten Ergebnisse in Nordamerika und im asiatisch-pazifischen Raum will er ausbauen.
Zwei Umsatzwarnungen in einem Jahr
Hintergrund sind die zuletzt schwachen Zahlen. Wegen stark gestiegener Kakaopreise erhöhte Lindt im ersten Halbjahr 2026 die Verkaufspreise im Schnitt um 11,8 Prozent. Die Folge: spürbar sinkende Absatzmengen. Vor allem Kunden in der Schweiz, in Deutschland und in Großbritannien reagierten empfindlicher auf höhere Preise als erwartet.
Ende September kappte das Unternehmen die Prognose für das organische Umsatzwachstum bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr, auf nur noch 0 bis 2 Prozent.
Analysten von Vontobel merkten an, der Verwaltungsrat hätte früher eingreifen können. Lechner kennt den deutschen und österreichischen Markt gut, also genau jene Regionen, in denen die Probleme am größten sind.
Kurs deutlich unter Hoch
Der Partizipationsschein hat seit Jahresbeginn rund ein Viertel an Wert verloren. Er notiert weit unter dem 52-Wochen-Hoch, hat sich aber vom Jahrestief abgesetzt. Marktteilnehmer werten den abrupten Wechsel als notwendigen Neustart nach den Prognosesenkungen. Zugleich verstärkt er die Sorge, dass der Weg zurück zu nachhaltigem Wachstum lang wird.
Entscheidend ist nun, wie schnell der Verwaltungsrat einen dauerhaften CEO präsentiert. Bis dahin liegt die Verantwortung für die Europa-Wende bei Weisskopf.
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