Wachsende Tankerströme aus dem Nahen Osten und saudische Preisnachlässe bringen Bewegung in den Rohölmarkt. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent fiel am Dienstag um 2,74 Dollar auf 97,61 Dollar. Die Förderländer der Region schleusen trotz anhaltender militärischer Spannungen wieder deutlich mehr Rohöl durch die strategisch wichtige Meerenge.
Tankerverkehr zieht spürbar an
In den vergangenen sieben bis zehn Tagen passierten täglich etwa 12 Millionen Barrel Rohöl die Meerenge. Staatliche Förderer drängen mit Nachdruck darauf, ihre Mengen auf den Weltmarkt zu bringen. Aus Sicht von Russell Hardy, Chef des Energiehandelshauses Vitol, braucht der Markt diese Seeroute dringend: Bis zu 14 Millionen Barrel täglich seien nötig, um die weltweite Versorgung im Winter zu sichern, da westliche Lagerbestände weitgehend erschöpft sind.
Auch die Fördermengen einzelner Golfstaaten stabilisieren sich. Kuwait erreicht inzwischen rund 75 Prozent seines Niveaus von vor dem Ausbruch des Konflikts mit dem Iran. Saudi-Arabien leitet unterdessen täglich 5,8 Millionen Barrel über seine wichtige Ost-West-Pipeline um.
Preiskampf und anhaltende Zwischenfälle
Dazu verschärft der staatliche Konzern Saudi Aramco den Wettbewerb. Das Unternehmen senkte den Verkaufspreis seiner Sorte Arab Light für asiatische Kunden auf den tiefsten Stand seit sechs Jahren, um Marktanteile zu verteidigen. Parallel dazu dämpfen Freigaben aus strategischen Ölreserven den Preisdruck.
Die Entspannung bleibt jedoch fragil. An der engsten Stelle misst die Wasserstraße lediglich 35 bis 40 Kilometer und bildet das Zentrum der Konfrontation zwischen den USA und dem Iran. Erst am Montag fingen iranische Einheiten ein Schiff ab, während die britische Schifffahrtsbehörde UKMTO über erneuten Beschuss eines Tankers berichtete.
Eskalationen dieser Art sowie Kämpfe im Jemen federn den jüngsten Preisrückgang ab. Seit Jahresbeginn notiert Brent noch immer rund 65 Prozent im Plus. Neue Hinweise auf die kurzfristige Angebotslage liefert im weiteren Tagesverlauf der offizielle Monatsbericht der US-Energiebehörde EIA.
