CoreWeave steht im Zentrum einer KI-Korrektur, die gleich aus zwei Richtungen gespeist wird. Aktien und Anleihen des Cloud-Anbieters gerieten am Freitag gemeinsam unter Druck. Der Nasdaq erlebte dadurch seine schlechteste Woche seit Juni.
Aktie und Anleihen fallen im Gleichschritt
Die CoreWeave-Aktie verlor am Freitag knapp 12 Prozent, auf Wochensicht waren es mehr als 20 Prozent. Auch die Anleihen des Unternehmens gaben nach. Das ist ungewöhnlich, denn bei Schuldenängsten flüchten Anleger oft aus Aktien in Anleihen. Hier traf es beide Seiten der Kapitalstruktur.
Im Mittelpunkt steht die Sorge, ob Rechenzentrumsbetreiber profitabel werden, bevor sie ihre Schulden bedienen müssen. CoreWeave gilt als Paradebeispiel dieses Spannungsfelds. Das Geschäft verlangt hohe Vorabinvestitionen, die Erträge fließen erst später.
Der Nasdaq Composite büßte in der Woche bis zum 16. Oktober 4,5 Prozent ein. Ein US-Halbleiter-ETF von VanEck verlor im selben Zeitraum 10 Prozent. Der Nasdaq 100 verzeichnete den größten Verlust seit Juni.
Über das Wochenende kam weiterer Gegenwind: Microsoft kündigte den Rechenzentrums-Deal mit Nscale auf. Welche direkten Folgen das für CoreWeave hat, ist offen. Die Stimmung gegenüber dem Segment belastet es allerdings zusätzlich.
Teures Öl verschärft die Lage
Hinzu kommt das Zinsumfeld. Brent kostete am Freitag knapp 110 Dollar je Barrel, die US-Verbraucherpreise lagen im September 3,7 Prozent über dem Vorjahr. Die EZB hob die Leitzinsen binnen vier Monaten zweimal an, für Dezember erwartet der Markt den nächsten Schritt.
Steigende Diskontierungssätze treffen wachstumsstarke, schuldenfinanzierte Tech-Werte besonders hart. Für CoreWeave wirkt das doppelt: Höhere Zinsen verteuern die Refinanzierung und drücken zugleich die Bewertung künftiger Gewinne.
Staatsanleihen profitierten dagegen von der Flucht in Sicherheit. Die Rendite zehnjähriger US-Papiere sank von gut 5,3 auf rund 5,1 Prozent. Eine klassische Entspannung ist das nicht, denn der Ölpreis hält die Renditen zugleich oben.
Eine Woche mit Verlusten sei noch keine KI-Krise, heißt es von Marktbeobachtern. Für CoreWeave zählt nun, wie sich Anleihekurse und Zinserwartungen entwickeln. Hält der Druck auf die Unternehmensanleihen an, rückt die Finanzierung der Rechenzentren weiter in den Mittelpunkt. Die nächste EZB-Zinsentscheidung im Dezember liefert dafür den nächsten konkreten Prüfstein.
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