Ein Kursrutsch von 15,5 Prozent an einem einzigen Handelstag: CoreWeave gehört zu den größten Verlierern des jüngsten Tech-Ausverkaufs. Auslöser waren überraschend hohe US-Inflationsdaten, die die Furcht vor steigenden Zinsen neu entfacht haben. Für einen Anbieter, dessen Wachstum auf Schulden beruht, ist das eine unangenehme Konstellation.
Anleihen senden Warnsignal
Besonders auffällig ist der Blick auf den Anleihemarkt. Die Papiere des KI-Cloud-Anbieters sind auf ein Niveau gefallen, das üblicherweise auf finanzielle Schwierigkeiten hindeutet. Damit rücken die Finanzierungsrisiken des schuldenfinanzierten Rechenzentrumsaufbaus in den Vordergrund. Steigen die Zinsen tatsächlich weiter, verschärft sich dieses Problem.
Marktbeobachter sehen darin eine Bestätigung früherer Warnungen. Die Risikoprämien für CoreWeave waren bereits zuvor kräftig gestiegen, während die Aktienmärkte diese Signale lange ignorierten. Nun holt der Aktienkurs offenbar auf.
Analyst Gil Luria von D.A. Davidson äußerte sich skeptisch. Kredite zu sehr hohen Zinssätzen für Rechenzentren, die außerhalb der Hyperscaler zunehmend zur Massenware würden, könnten sich als schlechte Investition erweisen. Je mehr Fremdkapital in den Bau fließe, desto mehr Risiko gelange ins System.
Sorge um die KI-Erlöse
Hinzu kommt Unsicherheit über die Umsatzdynamik im gesamten KI-Sektor. Zuletzt hatten Berichte über schwächere Umsätze bei KI-Schwergewichten wie Anthropic und OpenAI Zweifel genährt, ob die Erlöse die enormen Investitionen rechtfertigen. Neoclouds wie CoreWeave gelten als das schwächste Glied in dieser Kette, weil sie von der Nachfrage weniger Großkunden und von günstiger Finanzierung abhängen.
Die Verkaufswelle blieb nicht auf die USA beschränkt. In Asien brachen am Donnerstag SK Hynix um fast 12 Prozent und Samsung um fast 11 Prozent ein. Auch in Deutschland gaben Infineon, Aixtron, Suss Microtec und Siemens Energy vorbörslich nach.
Marktexperte Thomas Altmann von QC Partners spricht von der zweiten Welle der KI-Sorgen. Es handle sich nicht um klassische Gewinnmitnahmen, sondern um echte Befürchtungen vor einer größeren Korrektur.
Einen kleinen Lichtblick lieferte TSMC. Der Chipkonzern meldete für das September-Quartal einen besser als erwartet ausgefallenen Gewinn und bestätigte sein Investitionsziel von bis zu 64 Milliarden Dollar für 2026. Für CoreWeave bleibt der Zinspfad der entscheidende Faktor: Fallen die Anleihekurse weiter, steigen die Refinanzierungskosten spürbar.
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