Die Aussicht auf eine Übernahme von Teilen des angeschlagenen Konkurrenten TalkTalk hat den Papieren von BT Auftrieb verliehen. Am Freitag legte die Aktie an den europäischen Märkten um 3,5 Prozent auf 2,33 Euro zu. Händler führten das Kursplus maßgeblich auf die Bewegung im Übernahmepoker zurück.
Verhandlungen mit Großgläubiger über Rettungsdeal
Hintergrund des Kursanstiegs sind Berichte über Verhandlungen zwischen BT und den wichtigsten Kreditgebern von TalkTalk. Wie Sky News am Sonntag berichtete, führt BT Gespräche mit dem Finanzinvestor Ares Management, dem größten Gläubiger des kriselnden Anbieters.
Ares fordert demnach eine Vorauszahlung in Millionenhöhe, um einer Transaktion zuzustimmen. Ein erstes Angebot von BT im niedrigen zweistelligen Millionenbereich sei von der Gläubigerseite abgelehnt worden.
TalkTalk droht eine Insolvenz, weshalb BT die Übernahme von Großhandels- und Endkundensparten prüft. Zuvor hatte BT bereits Gespräche mit Regierungsvertretern geführt, um mögliche wettbewerbsrechtliche Hürden auszuloten.
Widerstand von Gläubigern und Rivalen
Die Pläne stoßen im Markt auf erhebliche Vorbehalte. Am Freitag wurde bekannt, dass eine Gruppe von Kreditgebern juristische Schritte erwägt, sollte BT grünes Licht für eine Auffanglösung erhalten. Zugleich formiert sich Widerstand aus der Branche.
Tom O’Hagan, ehemaliger Manager bei TalkTalk und Mitbieter an der Seite des Finanzinvestors Epiris, forderte die britische Regierung am Samstag auf, einen Verkauf der PXC-Großhandelssparte an BT zu blockieren. Ein solcher Zusammenschluss führe zu einer marktbeherrschenden Stellung im Breitbandsektor.
Epiris selbst hatte zuvor vergeblich versucht, finanzielle Erleichterungen für das eigene Rettungsangebot zu erwirken. Medienberichten zufolge forderte der Investor bei der BT-Infrastrukturtochter Openreach eine dreimonatige Zahlungspause für Gebühren. TalkTalk steht bei Openreach weiterhin mit offenen Posten in der Kreide.
Operative Initiativen stützen Jahresentwicklung
Abseits der Übernahmegespräche forciert das Telekommunikationsunternehmen den Ausbau eigener Produkte. Zu Beginn des Monats startete die Sparte BT Business neue Dienste für Geschäftskunden rund um künstliche Intelligenz.
Nach Schätzungen des Konzerns verlieren britische Unternehmen jährlich Milliardenbeträge durch verpasste Anrufe, was digitale Assistenten verhindern sollen. Zeitgleich kehrte der Name BT mit einem gebündelten TV- und Breitbandangebot für Privatkunden zurück.
Die jüngsten Initiativen und Marktfantasien sichern der Aktie ein solides Jahresplus von 10 Prozent. Entscheidend für den weiteren Kursverlauf bleibt jedoch, ob BT sich mit den TalkTalk-Gläubigern auf tragfähige Bedingungen einigen kann.
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