Virgin Media O2 steht Medienberichten zufolge kurz vor einer Vereinbarung zur Nutzung von BTs Openreach-Netz. Damit könnte BT einen Wettbewerber zugleich stärker als Kunden gewinnen. Reuters berichtet heute unter Berufung auf die Financial Times über die Gespräche. Ein Abschluss ist bislang nicht bestätigt.
Openreach könnte zusätzliche Nachfrage gewinnen
Die geplante Vereinbarung soll Virgin Media O2 ermöglichen, Neukunden außerhalb des eigenen Netzes zu versorgen. Nach dem Bericht der Financial Times geht es dabei um die Nutzung des Openreach-Glasfasernetzes. BT und Virgin Media O2 äußerten sich zunächst nicht.
Für BT liegt die mögliche Bedeutung im zusätzlichen Geschäft mit einem direkten Wettbewerber. Virgin Media O2 könnte außerhalb seiner eigenen Netzabdeckung auf die Infrastruktur des Rivalen zurückgreifen. Die wirtschaftliche Chance für BT besteht damit nicht in einer weiteren Übernahme, sondern in einer stärkeren Nutzung seines bestehenden Netzes.
Zugleich pausiert Virgin Media O2 dem Bericht zufolge Kabel-zu-Glasfaser-Upgrades im Rahmen eines Kostensenkungsprogramms. Das mögliche Openreach-Abkommen steht somit neben Einschnitten beim eigenen Netzausbau. Beide Entwicklungen betreffen die Frage, wie der Wettbewerber künftig zusätzliche Kunden versorgen will.
Die BT-Aktie legt heute um 5,5% zu. Der mögliche Vertrag bietet einen positiven geschäftlichen Ansatzpunkt; aus dem Bericht lässt sich allerdings noch kein gesicherter Ergebnisbeitrag ableiten.
Geschäftsinteresse trifft auf Wettbewerbskonflikt
Bemerkenswert ist die mögliche Zusammenarbeit wegen des gleichzeitigen Streits um BTs TalkTalk-Übernahme vor rund einem Monat. Virgin Media O2-Chef Lutz Schüler fordert eine vertiefte Untersuchung durch die Wettbewerbsbehörde CMA. Er warnt davor, dass der Zusammenschluss BTs Marktmacht im Breitband-Großhandel stärken könnte.
Die CMA übermittelte ihren Bericht am 19. Oktober an Ministerin Lisa Nandy. Eine Entscheidung über eine vertiefte Prüfung ist bislang nicht veröffentlicht. Die möglichen Wettbewerbsfolgen bleiben damit ein eigenständiges Risiko neben der Aussicht auf zusätzliches Openreach-Geschäft.
Auch die Eigentümer von Virgin Media O2 stehen vor einer wettbewerbsrechtlichen Auseinandersetzung. Laut Reuters wollen sie gegen den Widerstand der Behörde zur geplanten Netomnia-Übernahme durch Nexfibre vorgehen. Der vereinbarte Kaufpreis beträgt 2 Mrd. £. Statt Abhilfemaßnahmen anzubieten, wollen die Eigentümer die Einwände anfechten.
Für BT-Anleger ergibt sich daraus ein doppeltes Bild: Ein Rivale könnte stärker auf Openreach setzen und zugleich gegen eine Ausweitung von BTs Marktstellung kämpfen. Entscheidend für die geschäftliche Einordnung ist zunächst, ob aus den berichteten Gesprächen tatsächlich eine Vereinbarung wird. Die Aussicht darauf ist eine Chance, aber noch kein abgeschlossener Auftrag.
Stand heute, 30. Oktober: BT – Kaufen, halten oder verkaufen?
Wer in BT investiert ist oder einen Einstieg prüft, sollte die Lage jetzt neu bewerten. Die Gratis-Analyse vom 30. Oktober gibt die klare Antwort – und zeigt, warum Abwarten gerade jetzt riskanter sein kann, als es wirkt.
