Adidas erwartet nach einem Rekordquartal mehr Gewinn. Die gestern veröffentlichten vorläufigen Zahlen zeigen allerdings zwei unterschiedliche Treiber: eine einmalige US-Zollrückerstattung und bessere Verkäufe zum vollen Preis. Das Betriebsergebnis soll im Gesamtjahr 2026 rund 2,5 Milliarden Euro erreichen statt bislang rund 2,3 Milliarden Euro. Für Anleger zählt damit auch, wie viel der höheren Profitabilität dauerhaft trägt.
Vollpreisverkäufe stützen das Ergebnis
Im dritten Quartal 2026 stieg der operative Gewinn um 37 % auf 1,01 Milliarden Euro. Damit erreichte Adidas einen Quartalsrekord. Einen wesentlichen Beitrag leistete die Rückerstattung amerikanischer Zölle.
Die Ergebnisverbesserung beschränkt sich jedoch nicht auf diesen Sondereffekt. Weniger Rabatte als erwartet halfen dem Konzern ebenfalls. Das ist für die Bewertung der Geschäftsentwicklung wichtig: Verkäufe zum vollen Preis stützen das laufende Geschäft, während die Zollerstattung als einmaliger Ertrag einzuordnen ist.
Laut Reuters erhielt Adidas rund 200 Millionen Euro an US-Zollrückerstattungen. Weniger Preisnachlässe als erwartet brachten zusätzlich rund 100 Millionen Euro. Die Bruttomarge erreichte 54,3 %.
Das stärkere Vollpreisgeschäft darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass einzelne Produktbereiche unter Druck stehen. Während die Nachfrage nach Bekleidung robust ausfiel, belasteten hohe Bestände und Rabatte das Geschäft mit Lifestyle-Schuhen. Fußball, Laufen und Training entwickelten sich dagegen profitabel.
Der Quartalsumsatz erhöhte sich um 9 % auf 7,25 Milliarden Euro. Währungsbereinigt betrug das Wachstum 7 %. Umsatz und operativer Gewinn erreichten damit jeweils Rekordwerte.
Höhere Prognose lässt Raum für Investitionen
Adidas will die bessere Ergebnisentwicklung nicht vollständig im Jahresgewinn ankommen lassen. Ein Teil der Mehrerträge soll in das Unternehmen zurückfließen. Vorgesehen sind vorgezogene Ausgaben für IT, Logistik und das Filialnetz.
Für das vierte Quartal 2026 plant Adidas zusätzliche Investitionen von rund 100 Millionen Euro. Das Ziel für das währungsbereinigte Umsatzwachstum im Gesamtjahr bleibt unverändert bei 9–10 %.
Die höhere Gewinnprognose geht somit nicht mit einer angehobenen Umsatzerwartung einher. Im Mittelpunkt stehen die Profitabilität und die Verwendung der zusätzlichen Erträge. Die geplanten Ausgaben begrenzen den kurzfristigen Ergebniseffekt zugunsten von Investitionen in künftiges Wachstum.
Analysten bewerten die Nachhaltigkeit unterschiedlich
Die Analystenreaktionen zeigen, dass ein Rekordergebnis allein die Bewertungsfrage nicht entscheidet. Entscheidend ist auch, welche Erwartungen bereits bestanden und wie belastbar die Margen nach dem einmaligen Erstattungseffekt bleiben.
UBS bestätigte gestern „Neutral“ mit einem Kursziel von 160 Euro. Analyst Robert Krankowski sieht das operative Ergebniswachstum bereinigt um die Zollerstattung im Rahmen der Erwartungen. Für die Bruttomargen 2027 bleiben aus seiner Sicht angesichts des schwierigen Geschäftsumfelds Fragezeichen.
Citigroup setzte dagegen ein positiveres Signal. Das Analysehaus erhöhte sein Kursziel von 200 auf 211 Euro und bestätigte die Kaufempfehlung. Damit stehen einer zuversichtlicheren Bewertung weiterhin Vorbehalte gegenüber der künftigen Margenentwicklung gegenüber.
Die vollständigen Quartalszahlen sind für den 29. Oktober angekündigt. Für Anleger bilden dann vor allem die Entwicklung ohne Zollerstattung und das rabattbelastete Lifestyle-Schuhgeschäft den Maßstab: Sie helfen einzuordnen, wie tragfähig die höhere Profitabilität über das Rekordquartal hinaus ist.
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