Die DZ Bank sieht bei Adidas mehr als Rückenwind durch Zollrückerstattungen. Analyst Thomas Maul verwies gestern auf die hohe Begehrlichkeit der Marke und eine disziplinierte Belieferung des Handels. Damit agiere Adidas in einem schwierigen Markt geschickter als große Wettbewerber. Für Anleger ist diese Unterscheidung wichtig: Nicht jeder Beitrag zum starken Quartal lässt sich gleichermaßen fortschreiben.
DZ Bank setzt auf operative Stärken
Die DZ Bank erhöhte den fairen Wert der Aktie gestern von 205 auf 209 Euro und bestätigte ihre Kaufempfehlung. Maul begründete den überraschend starken Anstieg des operativen Ergebnisses mit der Markenbegehrlichkeit und dem disziplinierten Absatz an Handelspartner.
Diese Einschätzung richtet den Blick auf das Geschäft jenseits der Zollentlastung. Die Belieferung des Handels und die Attraktivität der Produkte sind für die Beurteilung der operativen Stärke entscheidender als eine Rückerstattung. Auch Metzler bewertete die vorläufigen Quartalszahlen gestern positiv und hielt an seiner Kaufempfehlung fest.
Die Zahlen liefern dafür Anhaltspunkte: Im dritten Quartal 2026 erreichte der Umsatz mit 7,252 Milliarden Euro einen Rekord. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht das einem Zuwachs von 9 Prozent.
Das Umsatzwachstum steht damit neben der deutlichen Ergebnisverbesserung. Zugleich bleibt das schwierige Schuhgeschäft eine Einschränkung der positiven Gesamtbetrachtung. Die Rekordwerte bedeuten nicht, dass sämtliche Teile des Geschäfts ohne Gegenwind laufen.
Zollentlastung prägt die Ergebnisqualität
Der operative Gewinn stieg um 37 Prozent auf 1,008 Milliarden Euro. Die Bruttomarge erreichte 54,3 Prozent.
Hinter der höheren Profitabilität stehen unterschiedliche Faktoren. Verkäufe zum vollen Preis stützten die Marge ebenso wie die US-Zollrückerstattung. Für die Einordnung des Quartals müssen Anleger deshalb zwischen der Verkaufsentwicklung und dem zusätzlichen Ergebnisbeitrag aus den Erstattungen unterscheiden.
Adidas verbuchte im Quartal rund 200 Millionen Euro an US-Zollrückerstattungen. Zugleich sind im angehobenen Jahresausblick bereits rund 100 Millionen Euro für Reinvestitionen im Schlussquartal berücksichtigt.
Diese geplanten Ausgaben gehören zur Bewertung der Gewinnprognose dazu. Sie begrenzen das ausgewiesene Jahresergebnis gegenüber einer Betrachtung ohne Reinvestitionen. Die positive Analystensicht stützt sich somit nicht allein auf den kurzfristigen Entlastungseffekt.
Endgültige Zahlen als nächster Prüfpunkt
Nach der gestern berichteten Prognoseanhebung erwartet Adidas für 2026 einen operativen Gewinn von rund 2,5 Milliarden Euro. Das währungsbereinigte Umsatzwachstum soll weiterhin 9–10 Prozent erreichen.
Die bisher veröffentlichten Quartalszahlen sind vorläufig und ungeprüft. Die endgültigen Ergebnisse folgen am 29. Oktober 2026. Der zentrale Maßstab für Anleger bleibt die von der DZ Bank hervorgehobene operative Stärke: Markenbegehrlichkeit, disziplinierter Absatz und Vollpreisverkäufe müssen die Bewertung auch jenseits der Zollentlastung tragen.
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