Die Spanne der Erwartungen an den chinesischen Elektroautobauer XPeng fällt an den Finanzmärkten bemerkenswert weit aus. Medienberichten zufolge reichten die Kursziele an der Wall Street am 19. September von 12 bis 24 US-Dollar.
Diese Differenz verdeutlicht die strategische Zerreißprobe des Unternehmens: Während das angestammte Geschäft mit Elektrofahrzeugen unter erbittertem Wettbewerb leidet, versucht der Konzern zunehmend, sich als Technologie- und Robotikpionier zu positionieren.
Druck im Kerngeschäft und neue Allianzen
Die operativen Hürden im automobilen Kerngeschäft sind beträchtlich. Die Analysten von UBS nahmen die Einstufung am 9. September mit einer neutralen Bewertung und einem Kursziel von 47,00 HKD auf. Das Institut verwies auf den intensiven Konkurrenzdruck, anhaltende Lieferkettenprobleme sowie kurze Produktlebenszyklen, die zu einer schwächeren finanziellen Entwicklung führten als ursprünglich erwartet.
An den Börsen hinterlässt diese Entwicklung deutliche Spuren: Seit Jahresanfang verzeichnet die Aktie ein Minus von 50 Prozent, wobei das Papier gestern bei 9,02 Euro schloss.
Um den Druck abzufedern, treibt das Management die Öffnung für Partnerschaften voran. Laut Reuters plant XPeng, das Geschäft mit Technologielizenzierungen und individuellen Anpassungen über die bestehende Kooperation mit Volkswagen hinaus auf weitere internationale Automobilhersteller auszudehnen. Das Portfolio umfasst elektronische Architekturen, Cockpitsysteme, Turing-KI-Chips und Fahrassistenzsoftware.
Vor gut einer Woche brachte das Unternehmen zudem das Flaggschiff-SUV G9L in China auf den Markt. Das Fahrzeug, das in Guangzhou und im österreichischen Graz produziert wird, soll am 12. Oktober auf dem Pariser Autosalon seine globale Premiere feiern.
Milliardenbewertung für humanoide Roboter
Einen wachsenden Teil des Unternehmenswerts verlagert XPeng auf Zukunftstechnologien abseits der Straße. Das Analysehaus UBS ermittelte sein Kursziel über eine Sum-of-the-Parts-Bewertung, bei der 30 Prozent des Werts der Robotiksparte zugerechnet werden. Das Institut bezifferte den durch die Finanzierung dieses Segments gehobenen Wert auf 4,3 Milliarden Dollar.
Über Aktienkaufverträge mit globalen Investoren sicherte sich der Robotikbereich mehr als 900 Millionen US-Dollar bei einer Bewertung nach der Kapitalerhöhung von über 6,3 Milliarden US-Dollar. Die Finanzierungsrunde wurde von IDG Capital angeführt, unter Beteiligung von Gaorong Ventures sowie mit strategischer Unterstützung durch Tencent und Alibaba.
Vor rund zwei Wochen meldete der Konzern die Inbetriebnahme einer automatisierten Fertigungslinie für humanoide Roboter, bei der mehr als 80 Prozent der Kernprozesse automatisiert ablaufen sollen. Für das Robotermodell IRON plant XPeng die Massenproduktion bis Ende 2026, während Auslieferungen und der weltweite Marktstart für 2027 vorgesehen sind.
Ob diese ambitionierten Vorstöße in die Robotik ausreichen, um die Belastungen aus dem Preiskampf der Automobilbranche dauerhaft zu kompensieren, bleibt unter Investoren die entscheidende Frage für die künftige Bewertung.
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