Die Bewertung des Baustoffkonzerns Wienerberger gerät im Umfeld einer anhaltenden Schwäche des Wohnungsbaus weiter unter Anpassungsdruck. Nachdem das Unternehmen seine operativen Ergebnisziele zurückschrauben musste, zogen mehrere Analysehäuser mit deutlichen Zielkorrekturen nach. Am Freitag schloss das Papier bei einem Stand von 15,60 Euro.
Analysten stutzen Bewertungsmodelle
Am Donnerstag passte BNP Paribas die Einstufung an: Die Bank senkte ihr Kursziel für Wienerberger von 20 auf 16 Euro und beließ die Einstufung auf „Neutral“. Am gestrigen Freitag reduzierte zudem Berenberg den fairen Wert.
Analyst Harry Goad strich das Kursziel von 25,00 auf 19,00 Euro zusammen, bestätigte aber die Kaufempfehlung mit „Buy“. Goad begründete diesen Schritt mit steigenden Hypothekenzinsen, einer anhaltend höheren Inflation sowie dem generell schwierigen operativen Umfeld für die Baustoffbranche.
Der Anpassungsbedarf spiegelt die zunehmenden Herausforderungen in den Kernmärkten wider. Für das gesamte Geschäftsjahr 2026 rechnet Wienerberger mit einem EBITDA zwischen 640 und 650 Millionen Euro.
Ein wesentlicher Auslöser für diesen Schritt war der Ausfall des erhofften saisonalen Bauaufschwungs im September. Medienberichten zufolge leidet das Geschäft besonders unter der anhaltenden Schwäche beim Wohnungsneubau in Großbritannien, den USA und Kanada.
Kostendruck und strategische Überprüfung
Neben dem schwachen Volumen belasten die Inputkosten die operative Marge. Das Unternehmen verwies auf spürbare Kostensteigerungen in den Bereichen Energie, Rohstoffe und Logistik, die seit Ende August auf das Ergebnis durchschlagen. Für das dritte Quartal 2026 stellte Wienerberger einen Umsatz von 1,2 bis 1,3 Milliarden Euro sowie ein operatives EBITDA von 170 bis 180 Millionen Euro in Aussicht.
Die Serie von Belastungsfaktoren hinterließ im Chart deutliche Spuren. Am Donnerstag markierte der Titel bei 15,03 Euro ein neues 52-Wochen-Tief. Seit Jahresanfang verzeichnet die Aktie einen Wertverlust von 49 Prozent, womit sich die Marktkapitalisierung des Konzerns auf 1,69 Milliarden Euro beläuft.
Als Reaktion auf die verschlechterten Marktbedingungen leitete das Management ein Gegenprogramm ein. Wienerberger kündigte an, Kostensenkungen zu beschleunigen und eine strategische Überprüfung der Geschäftsbereiche vorzunehmen. Konkrete Details zu den Einsparmaßnahmen und dem strategischen Überprüfungsprozess will der Konzern am 12. November im Rahmen der Veröffentlichung der Ergebnisse für die ersten neun Monate des Jahres 2026 vorlegen.
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