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Während Aroundtown 5,5 Prozent zahlen muss, wollen US-Banken daran verdienen

Goldman senkte Aroundtowns Kursziel wegen teurerer Refinanzierung; bei US-Banken rücken Zinsmargen und Kreditrisiken in den Fokus.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Goldman stuft Aroundtown auf Sell
  • 5,6 Milliarden Euro Refinanzierung bis 2028
  • Schaeffler baut Stellenabbau früher ab
  • EU begrenzt chinesische Hybridimporte

Sehr geehrte Damen und Herren,

derselbe Zins wirkt in dieser Woche auf zwei Bilanzen völlig unterschiedlich. Am Montag rechnete Goldman Sachs bei Aroundtown vor, was das Ende billiger Refinanzierung kostet. Heute ab 13 Uhr beginnt mit JPMorgan die Berichtssaison der US-Großbanken.

Dort stellt sich die Gegenfrage: Bringt die Zinswende der Fed den Banken mehr Zinsmarge oder mehr Einlagenkosten und faule Kredite? Dazwischen meldete Schaeffler am Montag einen Stellenabbau, der schneller und günstiger läuft als geplant. Brüssel hat mit Peking einen Deckel für chinesische Hybridimporte vereinbart.

US-Banken: Die Zinsmarge ist der Test, nicht das Handelsergebnis

Die Erwartungen sind präzise gesetzt. Für JPMorgan liegt der Analystenkonsens beim bereinigten Gewinn je Aktie im dritten Quartal bei 5,93 Dollar, ein Plus von 17 Prozent gegenüber Vorjahr, bei einem Umsatz von 51,23 Milliarden Dollar.

Der Nettozinsertrag von JPMorgan soll mit 26,88 Milliarden Dollar um gut 12 Prozent über Vorjahr liegen. Goldman Sachs wird mit bereinigt 12,86 Dollar je Aktie erwartet und hat zwölf Quartale in Folge die Schätzungen geschlagen. Wells Fargo und Citigroup folgen ebenfalls heute, Bank of America und Morgan Stanley morgen.

Der Vergleich mit dem zweiten Quartal taugt wenig. Der SpaceX-Börsengang im Juni verzerrte die Investmentbanking-Erträge. Die kombinierten Handelseinnahmen der fünf großen Investmentbanken dürften mit rund 38 Milliarden Dollar zwar 13 Prozent über Vorjahr liegen, aber deutlich unter dem Rekord von 47 Milliarden Dollar aus dem Frühjahr.

Entscheidend ist die operative Qualität dahinter. Die Fed hat den Leitzins im September auf 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben. BofA Securities warnt bereits vor steigenden Einlagenkosten bei Regionalbanken, und verbriefte Gewerbeimmobilienkredite weisen eine Problemrate von 12 Prozent auf.

Dagegen steht ein US-Kreditwachstum von rund 7,5 Prozent gegenüber Vorjahr, getrieben von KI-Rechenzentren und Infrastruktur. Das ist Volumen, das die Zinsmarge stützt, solange die Kreditqualität hält.

Jefferies-Analyst Chiaverini erwartet, dass die Banken beim Nettozinsertrag die Prognosen erreichen oder übertreffen. Bank-of-America-Chef Moynihan hat dagegen für sein Haus Investmentbanking-Gebühren von nur 1,6 bis 1,8 Milliarden Dollar angekündigt, mehr als 10 Prozent weniger als im Vorjahr.

Der Markt ist vorsichtig positioniert: Der KBW-Bankenindex verlor im vergangenen Monat 9,7 Prozent, während der S&P 500 zulegte. JPMorgan notiert um 302 Euro, auf Monatssicht praktisch unverändert und mit 9 Prozent Plus seit Jahresbeginn. Goldman Sachs liegt bei rund 802 Euro, 6 Prozent unter dem Stand von vor einem Monat.

Die Optionsmärkte preisen bei JPMorgan eine Kursbewegung von 3,57 Prozent ein, das Anderthalbfache des historischen Schnitts. Wer heute eine Serie übertroffener Schätzungen erwartet, sollte die Reaktion auf Einlagenkosten und Risikovorsorge beobachten – dort entscheidet sich, ob das Kursziel von durchschnittlich 379 Dollar für JPMorgan realistisch bleibt.

Aroundtown: Goldman rechnet vor, was 5,5 Prozent Refinanzierung bedeuten

Bei Aroundtown wurde die Zinsdebatte am Montag zur konkreten Rechnung. Goldman Sachs stufte den MDAX-Immobilienwert von Neutral auf Sell ab und kürzte das Kursziel von 1,80 auf 1,30 Euro – das niedrigste am Markt. Die Rechnung: Zwischen 2026 und 2028 müssen 5,6 Milliarden Euro Schulden refinanziert werden, die bisher 1,4 bis 1,8 Prozent kosteten und künftig rund 5,5 Prozent kosten dürften.

Die Nettofinanzierungskosten wachsen laut Goldman bis 2028 um etwa 18 Prozent pro Jahr, das wiederkehrende EBITDA nur um 2,4 Prozent. Der Gewinn je Aktie sinkt demnach von 0,26 Euro (2025) auf rund 0,23 Euro (2028).

Die Zinsdeckung fällt bis 2030 auf 2,2, die Kreditauflagen (Covenants) liegen unter 1,8. Die Beleihungsquote sieht Goldman bei 48 Prozent statt der vom Vorstand angepeilten 45, inklusive Hybridanleihen bei rund 63 Prozent. Die Schätzung des Nettoinventarwerts wurde um mehr als 40 Prozent gekürzt.

Aroundtown markierte am Montag ein Jahrestief, notiert bei 1,40 Euro und hat in zwölf Monaten 57 Prozent verloren. Hier liegt die eigentliche Bewertungsanomalie: Der Analystenkonsens führt noch ein Kursziel von 2,56 Euro, der Markt handelt den Wert auf Goldman-Niveau.

Ein Büro-Leerstand von 13,6 Prozent und ein Quartalsgewinn, der sich auf 81 Millionen Euro mehr als halbiert hat, sprechen für den Pessimisten. Die Liquidität von 3,9 Milliarden Euro verschafft Zeit, aber keine Rendite – Goldman stellt einer Kapitalrendite von 3,8 Prozent für 2027 Kapitalkosten von 6,2 Prozent gegenüber.

Wer hier auf Erholung setzt, wettet gegen die Zinskurve. Dass Vonovia heute den Berliner Linken-Chef trifft und Neubauprojekte in der Hauptstadt an „Klarheit“ knüpft, zeigt: Der Sektor hat neben dem Zins- auch ein politisches Problem.

Schaeffler: Der Umbau läuft dem Plan davon, die Aktie nicht

Das Gegenstück kam am Montag aus Herzogenaurach. Von den 4.700 Stellen, die Schaeffler bis Ende 2029 brutto abbauen wollte, waren Ende September bereits 3.715 realisiert.

Für die verbleibenden 985 liegen Verträge vor, der Abschluss rückt auf Ende 2028 vor. Das für 2029 geplante Einsparziel von 290 Millionen Euro soll um mehr als 20 Prozent übertroffen werden, 84 Millionen Euro nicht benötigter Restrukturierungsrückstellungen wurden im dritten Quartal aufgelöst. Das im August gestartete Altersteilzeitprogramm nahmen rund 1.800 Mitarbeiter an statt der erwarteten 1.300. Das kostet Schaeffler bis 2030 zusätzliche Rückstellungen von etwa 70 Millionen Euro, bringt aber ab 2027 positiven Cashflow und für 2029 einen Ergebniseffekt von rund 55 Millionen Euro.

Operativ ist das eine Entlastung, bewertungstechnisch bleibt Schaeffler ein Problemfall. Die Aktie sprang am Montag zeitweise über 6 Euro, gab die Gewinne aber wieder ab. Zuletzt notierte Schaeffler bei 5,90 Euro, knapp über dem am Donnerstag markierten Jahrestief von 5,87 Euro und 29 Prozent unter dem Jahresanfang.

Bei einer Marktkapitalisierung von 5,7 Milliarden Euro preist der Markt den Zulieferer wie einen Dauer-Sanierungsfall. Solange die Autokunden ihre Margenziele kappen, hilft die beste Kostenbilanz wenig – aber genau darin liegt die Asymmetrie für den, der Geduld mitbringt.

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Wo Kurse und operative Fortschritte so weit auseinanderliegen wie bei Schaeffler, lohnt der Blick auf deutsche Schwergewichte, die Anleger häufig übersehen. Ein kostenloser Report nimmt drei Unternehmen aus Immobilien, Anlagen- und Maschinenbau sowie dem Premium-Automobilsegment unter die Lupe und zeigt, welchem davon im Renditewettbewerb die besten Chancen zugetraut werden. Drei deutsche Giganten im Detail kennenlernen

Autoindustrie: Ein Deckel für Hybride, doch China bricht weg

Brüssel verschafft den europäischen Herstellern Luft, ihr Absatzproblem löst das nicht. Am Freitag einigten sich Handelskommissar Šefčovič und Chinas Handelsminister Wang Wentao.

Am Montag lieferte die Kommission die Zahlen nach: Chinesische Hybrid- und Plug-in-Hybridimporte werden ab Anfang Dezember auf 350.000 Fahrzeuge pro Jahr begrenzt, mit 6 Prozent jährlicher Steigerung über vier Jahre. Für 2026 wurden ohne Deckel 600.000 bis 800.000 Autos erwartet – die Vereinbarung halbiert das Volumen.

Der Marktanteil chinesischer Hersteller bei Plug-in-Hybriden in der EU lag im zweiten Quartal bei über 25 Prozent, nach 1,7 Prozent Anfang 2024. SAIC, BYD und Chery stehen für rund 90 Prozent dieser Importe. Im Gegenzug senkt China ab Januar Zölle auf EU-Autoteile, Olivenöl und Schuhe und stellt leichtere Ausfuhrlizenzen für Seltene Erden in Aussicht.

Für die europäischen Hersteller ist das ein Schutzschirm im profitabelsten Übergangssegment – Volkswagen hielt zuletzt 31,8 Prozent am EU-Plug-in-Markt. BYD gab am Dienstag in Hongkong nach und notiert in Frankfurt um 8,30 Euro, minus 29 Prozent auf Jahressicht.

Für BYD kommt der Deckel zu einer Kurszielkürzung durch JPMorgan und einer Kürzung der chinesischen Exportsteuer-Rückerstattung hinzu. Folgespräche sind für März 2027 angesetzt – ein Waffenstillstand, kein Frieden.

Wie nötig der Schutz ist, zeigten die Absatzzahlen vom Montag. Volkswagen lieferte im dritten Quartal weltweit 14,3 Prozent weniger Fahrzeuge aus, in China brachen die Auslieferungen um 38,5 Prozent auf 405.800 ein. Das Konzernziel von Volkswagen für 2026 lautet minus 3 bis minus 7 Prozent, die operative Marge wurde im September auf bis zu 1 Prozent gekappt.

Mercedes meldete im Pkw-Geschäft minus 8 Prozent weltweit und minus 31 Prozent in China. Der Lichtblick: In Europa legten VWs E-Auto-Auslieferungen um knapp 20 Prozent zu, die Auftragseingänge um 60 Prozent, und die ID.-Polo-Familie zählt knapp 150.000 Bestellungen.

Die VW-Vorzüge notieren bei rund 68,50 Euro, nur knapp über dem Jahrestief vom Donnerstag und 34 Prozent unter dem Jahresanfang. Jefferies hält mit Kursziel 120 Euro und Kaufvotum dagegen.

BMW legt heute die Q3-Verkaufszahlen vor – die Aktie steht nach 43 Prozent Jahresverlust bei etwa 53 Euro, ebenfalls nahe dem Tief. Der Sektor ist so abverkauft, dass selbst eine Stabilisierung in China als Nachricht wirken würde. Die Hybrid-Deckelung verschiebt das Wettbewerbsproblem, löst es aber nicht.

Makro: Die Inflation bleibt hoch, die Zinswetten werden kleiner

Die deutsche Inflation ist für September bei 3,3 Prozent bestätigt, der höchste Stand seit Dezember 2023. Die Eurozone-Schnellschätzung liegt bei 3,8 Prozent. Morgen folgen die US-Verbraucherpreise, für die der Konsens 3,6 Prozent erwartet, getrieben vom Benzinpreis. Die Commerzbank rechnet dennoch mit einer Fed-Erhöhung im Dezember. Cleveland-Fed-Präsidentin Hammack forderte am Montag ausdrücklich höhere Zinsen.

Bemerkenswert ist die Gegenbewegung an den Swap-Märkten. Die über acht Industrieländer eingepreisten Zinserhöhungen sind seit Mitte September um fast 200 Basispunkte auf 539 gefallen – der Anleiheausverkauf erledigt die Straffung für die Notenbanken.

Der IWF hob am Montag die deutsche Wachstumsprognose 2026 auf 1,3 Prozent an. Für die Commerzbank-Aktie, die seit Mitte September 10 Prozent abgegeben hat, bleibt ein höheres Zinsniveau Rückenwind – die Deutsche Bank berichtet am 28. Oktober.

Kurz notiert: Die Tech-Rotation setzt sich fort. Südkoreas Kospi verlor am Dienstag zeitweise über 6 Prozent, nachdem Chinas CXMT eigene DDR5-Servermodule bis Jahresende ankündigte. Samsung und SK Hynix brachen deutlich ein, Micron verlor am Montag 3,9 Prozent. Rüstungswerte erholten sich am Montag nach einer optimistischen Morgan-Stanley-Studie, Hensoldt lag mit 6 Prozent Plus an der Spitze.

Das große Bild

Die Woche verschiebt den Fokus vom Diskontsatz zur Bilanz: Bei Aroundtown zeigt sich, was 5,5 Prozent Refinanzierung mit einem Immobilienbestand machen, bei den US-Banken ab heute, ob dieselben Zinsen auf der Aktivseite ankommen.

Dazwischen liegen deutsche Industriewerte wie Schaeffler, VW und BMW, die nahe ihren Jahrestiefs operative Fortschritte oder zumindest einen EU-Schutzschirm melden, ohne dass der Markt es honoriert.

Morgen bringen Bank of America, Morgan Stanley und die US-Inflationszahlen den nächsten Datenpunkt, am Donnerstag folgen die US-Erzeugerpreise. Bis Freitag wissen wir, ob die Zinsmarge der Banken die Risikovorsorge überwiegt.

Eduard Altmann

Eduard Altmann ist Finanzexperte mit über 25 Jahren Erfahrung an den globalen Finanzmärkten. Als Analyst und Autor beim VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft spezialisiert er sich auf Aktienmärkte, Gold, Silber, Rohstoffe und den Euro.

Altmann ist überzeugter Verfechter des Value-Investing und identifiziert unterbewertete Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial. Sein Börsendienst "Megatrend-Depot" vermittelt praxisnahe Strategien erfolgreicher Value-Investoren. Mit seinem Motto "Manage dein Vermögen selbst" inspiriert er Anleger zur eigenverantwortlichen Vermögensverwaltung.

Seine Analysen basieren auf der fortschrittlichen Gann-Strategie, die präzise Vorhersagen für Rohstoffmärkte ermöglicht. Diese technische Analysemethode kombiniert historische Daten mit Zyklusanalysen und macht seine Marktprognosen besonders treffsicher.

Durch zahlreiche Publikationen und verständliche Erklärungen komplexer Finanzthemen unterstützt Altmann sowohl Einsteiger als auch erfahrene Investoren bei fundierten Anlageentscheidungen. Seine Arbeit verbindet theoretische Expertise mit praktischen Empfehlungen für den strategischen Vermögensaufbau.