Der US-Arbeitsmarkt hat im September deutlich an Schwung verloren und nimmt der Federal Reserve den Druck für eine rasche Folgeerhöhung der Zinsen. Außerhalb der Landwirtschaft entstanden lediglich 29.000 neue Stellen, während Ökonomen mit 84.000 bis 90.000 gerechnet hatten. Für die Finanzmärkte ist diese deutliche Abkühlung eine Entlastung: Die Wahrscheinlichkeit für einen weiteren Zinsschritt im Oktober sackte auf 12 Prozent ab.
Zusätzlich korrigierten die Behörden die Daten der Vormonate drastisch nach unten. Für August verbleibt ein Zuwachs von 133.000 Stellen nach zuvor gemeldeten 162.000, während für Juli nun sogar ein Beschäftigungsminus von 10.000 Stellen ausgewiesen wird. Zusammengenommen wurden in den beiden Monaten 60.000 Arbeitsplätze weniger geschaffen als bislang angenommen.
Nachlassender Lohndruck stützt Zinspause
Ausschlaggebend für die Zinspolitik der Währungshüter ist vor allem der Blick auf die Löhne. Hier entspannt sich die Lage spürbar: Die durchschnittlichen Stundenlöhne stiegen im Monatsvergleich um lediglich 0,1 Prozent auf 37,81 Dollar. Auf Jahressicht lag der Zuwachs bei 3,0 Prozent, was den Inflationsdruck dämpft.
Zugleich kletterte die Arbeitslosenquote leicht von 4,1 auf 4,2 Prozent. Dieser Anstieg hat jedoch eine beruhigende Ursache auf der Angebotsseite: Die Erwerbsquote stieg parallel von 61,6 auf 61,8 Prozent. Es drängten schlicht mehr Menschen auf den Arbeitsmarkt, um eine Beschäftigung zu suchen.
Flächendeckende Entlassungswellen sind bisher nicht in Sicht. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe verharren weiterhin in der Nähe ihrer historischen Tiefststände. Dennoch erwarten Marktbeobachter, dass hohe Energiepreise und geopolitische Belastungen im Zusammenhang mit dem Nahost-Konflikt den Stellenaufbau in den kommenden Monaten weiter dämpfen könnten.
Anleiherenditen geben deutlich nach
An den Finanzmärkten sorgte der Arbeitsmarktbericht für sinkende Zinsängste. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen US-Staatsanleihe fiel um sechs Basispunkte auf rund 5,18 Prozent. Bei den zinssensiblen zweijährigen Papieren gab die Rendite um sieben Basispunkte auf 4,72 Prozent nach.
Aktienfutures notierten nach den Daten im Plus, während der Goldpreis um ein Prozent auf 4.219 Dollar pro Unze kletterte. Ein schwächerer Arbeitsmarkt nimmt den Renditen ihren Auftrieb und stabilisiert die Bewertungen, solange die wirtschaftliche Abkühlung nicht in einen Einbruch umschlägt.
Die Federal Reserve hatte ihre Zinsspanne am 16. September erstmals seit 2023 auf 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben. Ob die Notenbank ihre Straffung nun tatsächlich aussetzt, hängt maßgeblich von den kommenden Inflationsdaten ab. Am 14. Oktober werden die US-Verbraucherpreise für September veröffentlicht, bevor die Notenbank am 28. Oktober ihren nächsten Zinsentscheid bekannt gibt.
