Eine Übernahme aus dem Jahr 2023 bringt Thomson Reuters juristischen Gegenwind ein. Am Freitag reichte die US-Kanzlei Rubin Law Office beim Bundesgericht im Northern District of California eine vorgeschlagene Sammelklage gegen den Informations- und Medienkonzern ein. Im Mittelpunkt des Verfahrens steht der Zukauf des Spezialisten Casetext, den Thomson Reuters vor drei Jahren für 650 Millionen US-Dollar übernommen hatte.
Vorwurf der gezielten Marktausschaltung
Die Kläger werfen dem Konzern vor, Casetext nach dem Kauf schrittweise eingestellt zu haben, um einen aufstrebenden Konkurrenten für das eigene Recherche-Flaggschiff Westlaw gezielt aus dem Markt zu nehmen.
Laut den Klageschriften habe das Unternehmen damit den Wettbewerb geschwächt und bisherige Nutzer auf teurere konzerneigene Angebote gedrängt. Die Klage stützt sich dabei auf den Vorwurf einer wettbewerbswidrigen Übernahme zur Beseitigung von Konkurrenzprodukten. Gerichtlich festgestellt sind diese Anschuldigungen bislang allerdings nicht.
Die juristische Auseinandersetzung trifft auf ein ohnehin anspruchsvolles Börsenumfeld für das Papier des Konzerns. An der Heimatbörse schloss die Aktie am Freitag bei 139,32 CAD mit einem Tagesverlust von 1,6 Prozent. Seit Jahresbeginn summiert sich der Rückgang damit bereits auf ein Minus von 23 Prozent.
Hohe Investitionen in eigene Sprachmodelle
Der Rechtsstreit fällt in eine Phase des grundlegenden operativen Wandels. Thomson Reuters treibt die Neuausrichtung auf Software und KI-gestützte Recherchewerkzeuge für Rechts-, Steuer- und Compliance-Fachleute voran.
Ende August stellte der Konzern mit „Thomson“ sein erstes eigenes großes Sprachmodell für fachspezifische Aufgaben vor. Nach Unternehmensangaben flossen 40 Millionen US-Dollar in Personal und Rechenleistung, um das System unter anderem auf Basis von Inhalten aus Westlaw, Practical Law und Checkpoint zu trainieren.
Zugleich trennte sich die Gruppe von Teilen des traditionellen Geschäfts: Am 1. Oktober schloss das Unternehmen den Verkauf von 51 Prozent seiner Drucksparte Global Print an von KKR beratene Investmentkonten ab. Das neu formierte Gemeinschaftsunternehmen firmiert als Westbridge Print.
Thomson Reuters hält weiterhin 49 Prozent der Anteile, behält die Rechte an geistigem Eigentum und rechnete vor Abschluss mit einem Bruttoerlös von rund 500 Millionen US-Dollar.
Margendruck durch Technologieausbau
Der Übergang bindet erhebliche Mittel. US-Börsenbeobachter Jim Cramer merkte Ende September an, dass die massiven KI-Ausgaben die Gewinne kurzfristig dämpfen könnten, während sich die Monetarisierung erst über längere Zeiträume voll entfalten dürfte.
Entscheidend für das Vertrauen der Anleger bleiben daher die Verlängerungsraten und Preisstrukturen digitaler Angebote. Neue Einblicke in die operative Entwicklung bringt der 3. November, an dem der Konzern die Zahlen für das dritte Quartal vorlegt.
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