Für Strategy steht heute ein mögliches Verkaufsrisiko bei der Aktie im Mittelpunkt – nicht eine Liquidation der Bitcoin-Bestände. JPMorgan schätzt die möglichen Abflüsse bei einem Ausschluss aus MSCI-Indizes auf rund 2,8 Mrd. US-Dollar. Das ist ein bedingtes Szenario, kein bereits ausgelöster Kapitalabzug. Strategy hält dagegen und bestreitet einen wesentlichen Effekt auf das Geschäft.
Wie groß der Verkaufsdruck werden könnte
Der Mechanismus ist klar: Würde Strategy seine Indexmitgliedschaft verlieren, müssten indexnachbildende Fonds ihre Aktienbestände anpassen. Die Schätzung von JPMorgan betrifft deshalb Verkäufe von Strategy-Aktien. Sie beschreibt keinen unmittelbaren Verkauf der vom Unternehmen gehaltenen Bitcoin.
Strategy beziffert den Bestand MSCI-gebundener Indexfonds auf rund 13 Mio. eigene Aktien. Das entspreche 3,1 % der ausstehenden Basisaktien und weniger als einem durchschnittlichen Tageshandelsvolumen.
Mit diesem Vergleich relativiert das Unternehmen die mögliche Belastung. Die Größenordnung allein beantwortet allerdings nicht, wie sich entsprechende Verkäufe auf den Kurs auswirken würden. Welche Produkte betroffen wären und wann sie ihre Bestände anpassen müssten, ist nicht bekannt.
Kapitalaufnahme verbindet Aktie und Bitcoin-Strategie
Für Anleger reicht die Frage deshalb über einen möglichen kurzfristigen Verkaufsdruck hinaus. Ein Indexausschluss könnte die Anlegerbasis verkleinern und die Aufnahme neuen Eigenkapitals erschweren. Damit wäre auch die Finanzierung zusätzlicher Bitcoin-Käufe betroffen, ohne dass bestehende Bestände unmittelbar verkauft werden müssten.
Die Bedeutung des Kapitalmarktzugangs lässt sich an den Zahlungsströmen erkennen. Im Geschäftsjahr 2025 meldete Strategy einen operativen Cashflow von −67,2 Mio. US-Dollar. Dem standen Finanzierungs-Cashflows von 24,84 Mrd. US-Dollar gegenüber.
Diese Gegenüberstellung erklärt, warum mögliche Veränderungen der Finanzierungsbedingungen für Aktionäre relevant sind. Sie belegt aber weder einen bevorstehenden Finanzierungsengpass noch einen Zwang zum Verkauf von Bitcoin. Der denkbare Übertragungsweg führt über die Konditionen künftiger Kapitalaufnahmen.
Einstufung bleibt der entscheidende Prüfpunkt
Hinter dem Konflikt steht die Frage, ob MSCI Strategy als operatives Unternehmen oder als überwiegend anlageorientiertes Unternehmen einstuft. Strategy bestreitet, ein Investmentvehikel zu sein. Michael Saylor und Phong Le bezeichneten den Ansatz als diskriminierend.
Der neue Prüfrahmen berücksichtigt operative Vermögenswerte und fünf Finanzkennzahlen. Mindestens vier Ausschlusskriterien müssen erfüllt sein. Für bestehende Indexmitglieder gilt zusätzlich, dass sie in beiden jüngsten Jahresberichtsperioden durchfallen müssen. Eine frühere Simulation ist daher nicht mit einer endgültigen Ausschlussentscheidung gleichzusetzen.
MSCI will die betroffenen Unternehmen am 11.11.2026 nennen. Änderungen sollen nach Börsenschluss am 30.11.2026 gelten.
Für Strategy-Aktionäre sind damit zwei Risiken auseinanderzuhalten: mögliche Verkäufe indexgebundener Fonds und mögliche Folgen für spätere Kapitalaufnahmen. Das Unternehmen hält die geschäftlichen Auswirkungen für begrenzt. JPMorgans Abflussschätzung zeigt dagegen, welche Größenordnung bei den Aktien im Ausschlussszenario zur Diskussion steht.
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