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Im Bild: Dieter Jaworski
Interviewmit Dieter Jaworski

Siemens Energy Aktie: Über 7.000 Gasturbinen geben dem Geschäft Halt

Wartung und Netzgeschäft bieten Rückhalt; Gamesas dauerhafte Erholung hängt von neuen Aufträgen bis 2028 ab.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Mehr als 7.000 Gasturbinen installiert
  • Wartung sichert einen Teil der Nachfrage
  • Gamesa erzielte im dritten Quartal Gewinn
  • Neue Gamesa-Aufträge bis 2028 erforderlich

Vor der Jahresbilanz 2025/26 reichen die Analysten-Kursziele für Siemens Energy von 157 bis 245 Euro; zugleich sind die weitere Ertragskraft von Gamesa und eine mögliche Portfoliotransaktion offen. Dieter Jaworski, wie belastbar ist der Wert des Gas- und Netzgeschäfts bei schwächerer Nachfrage?

Siemens Energy (DE000ENER6Y0) — Schlusskurse 17.04.2026 bis 14.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 14.10.2026.

Siemens Energy (DE000ENER6Y0) — Schlusskurse 17.04.2026 bis 14.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 14.10.2026.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Ihre Skepsis gegenüber hohen Erwartungen unterschätzt doch den Schutz durch über 7.000 installierte Gasturbinen. Wie soll dieser Vorsprung bei schwacher Nachfrage bröckeln?

Dieter Jaworski: Die installierten Anlagen sind der stärkste Teil der Geschichte. Betreiber brauchen passende Ersatzteile und Wartung; das Geschäft verschwindet nicht, wenn weniger neue Turbinen bestellt werden.

Im Netzgeschäft kommen schwer aufzubauende Fertigungskapazitäten hinzu. Das ist ein echter Vorsprung. Die offene Stelle liegt bei der Kapitalrendite: Siemens Energy muss auch nach dem Nachfragehoch mit dem eingesetzten Geld ordentlich verdienen. Wartung hält länger als der Boom.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Sie sagen: „Wartung hält länger als der Boom.“ Wenn Betreiber bei Flaute Arbeiten verschieben, wie viel Schutz bleibt dann?

Dieter Jaworski: Kunden können Arbeiten aufschieben. Eine laufende Anlage braucht trotzdem Pflege und passende Teile. Das schützt einen Teil des Geschäfts, nicht jeden Auftrag.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Gamesa hat wieder einen operativen Gewinn erzielt. Ist damit die Gefahr gebannt, dass ausbleibende Offshore-Aufträge die Sparte erneut belasten?

Dieter Jaworski: Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026, das am 30. Juni endete, schrieb Gamesa erstmals seit 2022 wieder einen operativen Gewinn. Das erkenne ich an. Für eine dauerhafte Wende reicht ein Quartal allerdings nicht.

Bis 2028 muss Gamesa neue Aufträge gewinnen, sonst drohen Kapazitätskürzungen. Hier könnte meine Einschätzung kippen: Bleiben die Aufträge aus, tragen Gas und Netz weiterhin ein gutes Geschäft, während Gamesa dessen Erträge wieder aufzehrt.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Ihre Einzelteilrechnung kommt auf rund 96,5 Milliarden Euro Eigenkapitalwert, die Marktkapitalisierung liegt bei rund 121 Milliarden Euro. Wie rechtfertigen Sie angesichts dieser Lücke ein höheres faires Niveau?

Dieter Jaworski: Die Lücke ist erheblich. Die Einzelteilrechnung bewertet die Geschäftsteile getrennt und rechnet die Finanzposition hinzu; sie zeigt, was bei vorsichtigen Annahmen über die einzelnen Sparten herauskommt. Daraus folgt für mich noch nicht, dass ihre heutigen Erträge das angemessene Maß für die kommenden Jahre sind.

Mein faires Niveau liegt bei rund 162 Euro je Aktie. Dafür müssen Gas und Netz ihre starke Auslastung in dauerhafte Erträge verwandeln und Gamesa darf den Fortschritt nicht zurücknehmen. Das ist eine anspruchsvolle Rechnung, kein Freibrief für jede Erwartung.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Der Analysten-Konsens liegt bei 207,5 Euro. Zugleich haben Banken laut Bericht Finanzierungspakete von bis zu 7 Milliarden Euro für mögliche Käufer von Transformation of Industry vorbereitet. Unterschätzen Sie den Wert einer Trennung?

Dieter Jaworski: Die Vorbereitungen sind bemerkenswert. Die Folgerung, damit sei ein Verkauf samt Erlös für Siemens Energy praktisch gesichert, bestreite ich. Ein Finanzierungspaket für Interessenten ist noch kein verbindlicher Abschluss.

Der Analysten-Konsens setzt aus meiner Sicht mehr gelungene Entwicklung voraus, als ich heute bezahlen würde. Eine Trennung könnte meine Rechnung verbessern, wenn Preis und Folgen für das verbleibende Geschäft feststehen. Bis dahin wiegt für mich schwerer, was Gas, Netz und Gamesa selbst verdienen.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Bis 2028 muss Gamesa neue Aufträge gewinnen, sagen Sie. Welches Urteil über Siemens Energy folgt aus dieser Bedingung?

Dieter Jaworski: Siemens Energy hat mit Gas und Netz ein Geschäft, dem ich auch bei schwächerer Nachfrage viel zutraue. Mein Urteil bleibt deshalb zuversichtlich, allerdings deutlich unter dem Analysten-Konsens. Gamesa muss die neuen Aufträge erst gewinnen. Diese Unsicherheit rechne ich ein; die Qualität des übrigen Geschäfts streiche ich ihretwegen nicht weg.

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Diskussion zu Siemens Energy

Dieter Jaworski

Chefredakteur „Smart Trading“, Senior-Analyst bei GeVestor und Architekt der Strategie „Einfach – Intelligent – Investieren“

Über Dieter Jaworski

Dieter Jaworski ist ein renommierter Finanzexperte mit über 40 Jahren Erfahrung in der Aktienanalyse und im Vermögensaufbau. Als Chefredakteur von „Smart Trading“ und Senior-Analyst bei der GeVestor Financial Publishing Group liefert er präzise Analysen und fundierte Anlagestrategien. Seine Philosophie „Einfach – Intelligent – Investieren“ kombiniert tiefes Unternehmenswissen mit einer klaren Fokussierung auf fundamentale Kennzahlen wie Umsatz, Gewinn, Cashflow und Dividenden. Ob Einsteiger oder erfahrener Investor – Jaworski zeigt, wie man langfristig Vermögen aufbaut, ohne unnötige Risiken einzugehen.

Von der Zahlenbegeisterung zum Börsenprofi

Schon als Kind faszinierten Jaworski Zahlen und logisches Denken. Während seine Mitschüler noch übten, rechnete er bereits mit Leichtigkeit. Diese Leidenschaft prägte seinen Weg: Mit dem ersten Taschengeld plante er, Vermögen aufzubauen, und legte Weihnachtsgeld auf dem Sparbuch an – unüberlegte Ausgaben waren nie sein Stil. Während seines Elektrotechnik-Studiums, das er 1980 nach nur vier Jahren abschloss, vertiefte er sich privat in die Welt der Aktien. Statt auf Anlageberater zu vertrauen, eignete er sich umfassendes Wissen über Märkte und Strategien an.

Einblicke aus der Unternehmenswelt

Nach seinem Studium startete Jaworski bei Siemens, wo er 29 Jahre lang tätig war. Von der Planung globaler Netzwerke in Peking, Chile und den Philippinen bis zur Leitung großer Projekte in Deutschland sammelte er einzigartige Einblicke in die Strukturen großer Konzerne. Diese Erfahrung ist heute sein Markenzeichen: Jaworski weiß, wie Vorstände denken, wie Pressemeldungen zu deuten sind und welche Kennzahlen die Zukunft eines Unternehmens verraten. „Ich kenne die Unternehmen von innen“, sagt er – ein Wissen, das seine Analysen unschätzbar macht.

Erfahrung, die zählt: 29 Jahre bei Siemens, internationale Projekte und tiefes Verständnis für Unternehmensstrukturen machen Jaworski zu einem einzigartigen Analysten.

Professionelle Analyse seit 2002

Seit 2002 ist Jaworski professionell als Aktienanalyst tätig, zunächst bei Gelfarth & Dröge sowie als Gutachter für den Verlag für die Deutsche Wirtschaft. 2007 verließ er Siemens, um sich voll und ganz der Geldanlage zu widmen. Seine Analysen basieren auf einer klaren Maxime: Sicherheit durch fundamentale Daten, ergänzt durch das Potenzial wachstumsstarker Unternehmen. Seit 2014 setzt er seine Strategie erfolgreich im Wikifolio „2M – Market Momentum“ um, das sich durch Stabilität und Rendite auszeichnet.

Aus Fehlern lernen

Jaworski ist kein Theoretiker – er kennt die Höhen und Tiefen der Börse aus eigener Erfahrung. Während der Dotcom-Blase 2000 verlor er die Hälfte seines Kapitals, weil er auf Versprechungen statt Zahlen setzte. Diese Erfahrung prägte seinen Leitsatz: „Gier frisst Hirn“. Heute setzt er auf ein ausbalanciertes Depot aus „großen Dampfern“ für Sicherheit und „kleinen Schnellbooten“ für Wachstum – eine Strategie, die Anlegern Stabilität und Chancen bietet.

Warum Dieter Jaworski?

Mit Vorträgen auf Events wie dem Dresdner Börsentag und regelmäßigen Beiträgen bei GeVestor ist Jaworski eine feste Größe in der Finanzwelt. Seine Analysen sind praxisnah, seine Strategien erprobt. Ob Geschäftsberichte, Marktbeobachtungen oder innovative Anlagemodelle – Jaworski bleibt am Puls der Zeit. Für ihn ist die Börse kein Zockerspiel, sondern ein Handwerk, das Wissen und Disziplin erfordert.