Der jahrelange Boom rund um künstliche Intelligenz stößt an eine harte finanzielle Grenze: das Zinsniveau. Am Dienstag gerieten Halbleiterwerte weltweit unter Druck, weil steigende Anleiherenditen die gewaltigen Investitionen in Rechenzentren und Netzinfrastruktur spürbar verteuern. Anleger zweifeln zunehmend daran, ob sich die immensen Ausgaben schnell genug bezahlt machen.
Verkäufe erfassen asiatische und amerikanische Halbleiterwerte
In Asien sackte der südkoreanische Leitindex KOSPI um mehr als sechs Prozent ab. In Tokio verlor der Speicherchiphersteller Kioxia 13 Prozent an Wert. An den US-Börsen steuerte der Philadelphia Semiconductor Index auf seinen sechsten Verlusttag in Folge zu.
Auch Schwergewichte gerieten ins Rutschen. Die Papiere von Micron Technology gaben um fünf Prozent nach. Parallel dazu stufte BlackRock seine Einschätzung für US-Aktien auf neutral herab und begründete dies mit möglicher Volatilität rund um den weiteren KI-Ausbau. Der Internationale Währungsfonds warnte am Dienstag davor, dass die tatsächlichen Erträge der Technologie hinter den hohen Erwartungen zurückbleiben könnten.
Steigende Kapitalkosten bremsen Projektfinanzierung
Das Kernproblem liegt in der Finanzierung der teuren Recheninfrastruktur. Wenn sichere Staatsanleihen attraktive Zinsen abwerfen, verlangen Geldgeber auch von KI-Unternehmen deutlich höhere Risikoprämien. Die Rendite zehnjähriger US-Staatspapiere lag am Dienstag bei 5,2 Prozent.
Die Folgen zeigen sich im Markt für Unternehmensanleihen. Die Rendite eines Papiers des Infrastrukturanbieters CoreWeave kletterte auf 15 Prozent, verglichen mit 9,625 Prozent bei der Ausgabe im Juni. In Australien zog der Betreiber Firmus einen geplanten Börsengang über fünf Milliarden Dollar zurück, da das Interesse der Investoren schwand. Goldman-Sachs-Chef David Solomon betonte am Dienstag, der Zinsdruck könne die Renditen einzelner Projekte dämpfen, weshalb sein Haus bei Kreditzusagen im KI-Sektor strikt selektiv bleibe.
Marktbeobachter werten die Verkaufswelle vorerst nicht als generelles Ende des KI-Booms, sondern als Übergang in eine Phase strengerer Kapitaldisziplin. Künftig zählt für Investoren nicht mehr allein das Ausmaß der Rechenleistung, sondern der Nachweis messbarer Renditen bei anhaltend hohen Zinsen.
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