In Brasilien sind die Wahllokale für die Präsidentschaftswahl geschlossen, und das Land steuert auf eine Stichwahl am 25. Oktober zu. Umfragen sahen den linken Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva und seinen rechten Herausforderer Flávio Bolsonaro Kopf an Kopf, beide ohne absolute Mehrheit. Zehn weitere Bewerber lagen weit abgeschlagen zurück. Erste vorläufige Ergebnisse zeichnen sich in der Nacht auf Montag ab.
Zwei gegensätzliche Wirtschaftsmodelle
Die wirtschaftspolitischen Entwürfe der beiden Favoriten könnten kaum unterschiedlicher ausfallen. Der 80-jährige Amtsinhaber Lula setzt auf eine Fortsetzung seiner bisherigen Linie mit staatlichen Förderprogrammen, hohen öffentlichen Investitionen und einer starken Rolle des Staates. Für ihn geht es um eine vierte Amtszeit an der Staatsspitze.
Senator Flávio Bolsonaro von der Liberalen Partei verfolgt einen konträren Kurs. Er verspricht einen schlankeren Staatsapparat, den Abbau staatlicher Leistungen sowie ein schärferes Vorgehen gegen Kriminalität. Parallel dazu strebt er eine Amnestie für seinen Vater Jair Bolsonaro an. Der frühere Staatschef war wegen eines versuchten Staatsstreichs zu mehr als 27 Jahren Haft verurteilt worden und verbüßt die Strafe derzeit im Hausarrest.
Machtverteilung jenseits des Präsidentenamts
Neben dem Präsidentschaftsamt entscheiden die rund 159 Millionen Stimmberechtigten über die künftige Machtverteilung in den Parlamenten. Zur Wahl stehen sämtliche 513 Sitze der Abgeordnetenkammer sowie zwei Drittel des Senats. Auch die Gouverneure in den Bundesstaaten werden neu bestimmt.
Der vorangegangene Wahlkampf war von Auseinandersetzungen über Korruption, die Unabhängigkeit des Obersten Gerichts und die Beziehungen zu den USA geprägt. Vor der Abstimmung hatten die USA ihre Konsulardienste im Land aus Sicherheitsgründen geschlossen. Konkrete Hinweise auf eine ausländische Einflussnahme auf den Urnengang lagen den zuständigen Behörden jedoch nicht vor.
Erreicht im ersten Durchgang kein Kandidat die absolute Mehrheit, entscheidet sich die politische Führung des Landes am 25. Oktober in der Stichwahl.
