Die Aufregung um OpenAIs Umsatzzahlen hat sich gelegt, und Nvidia profitiert. Am Donnerstag hatten Berichte über ein angebliches 20-Milliarden-Dollar-Loch die KI-Werte belastet. Heute holt sich der Chipkonzern einen Teil des Verlusts zurück.
Rechenfehler statt Wachstumsknick
Auslöser der Irritation war eine Prognose von rund 50 Milliarden Dollar Jahresumsatz für OpenAI. Andere Berichte sprachen von mindestens 70 Milliarden Dollar annualisiert zum Jahresende. Die Lücke erklärt sich offenbar durch unterschiedliche Berechnungsmethoden: Zeitraum und Behandlung von Cloud-Partner-Umsätzen weichen voneinander ab, ein direkter Vergleich mit Anthropic hatte die höheren Schätzungen genährt.
Vorbörslich lag Nvidia zeitweise knapp zwei Prozent im Plus, im frühen Handel waren es noch 0,7 Prozent. Intel und AMD zogen ähnlich an. Marktbeobachter sprechen von einem Entlastungsimpuls, der zugrunde liegende Aufbau des Sektors bleibe aber fragil.
Partnerschaften, Pump und ein geplatzter Börsengang
Für zusätzlichen Rückenwind sorgte die Meldung, Nvidia wolle in den Chipentwickler d-Matrix investieren. Das Unternehmen ist eigentlich ein Konkurrent. Seit September besteht eine Roadmap-Kooperation, nach der d-Matrix-Chips über NVLink Fusion in Nvidias Rack-Architektur eingebunden werden sollen. Die Finanzbedingungen sind offen. Ähnlich ging Nvidia bereits bei Marvell vor.
Weniger erfreulich verlief der Tag für Firmus. Der von Nvidia unterstützte australische Rechenzentrumsbetreiber hat seinen Börsengang abgesagt und verweist auf Marktschwankungen. Angepeilt war eine Bewertung von gut 30 Milliarden Dollar, im August lag sie noch bei rund 10,5 Milliarden. Nun sucht Firmus bei bestehenden Investoren zwei bis drei Milliarden Dollar.
Der Fall nährt eine Debatte: Nvidia finanziert zunehmend Kunden, die später selbst Nvidia-Technik kaufen, darunter auch OpenAI. Das erschwert die Einschätzung, wie viel Nachfrage aus eigener Kraft entsteht.
Parallel dazu sorgt SpaceX für Nachfragefantasie. Der Konzern will Nvidia-Chips für 40 Milliarden Dollar kaufen, Apollo und mehrere Banken verhandeln über die Finanzierung. Spekuliert wird über einen Einsatz in Rechenzentren im All.
Analysten bleiben zuversichtlich
Citigroup stuft Nvidia mit Buy und einem Kursziel von 315 Dollar ein. Exane BNP Paribas hob das Ziel zuletzt auf 345 Dollar an. Das mittlere Ziel der erfassten Analysten liegt bei 324,20 Dollar, vorbörslich notierte die Aktie bei 234,19 Dollar.
Konkret richtet sich der Blick nun auf die nächsten Quartalszahlen. Wachstum im Netzwerkgeschäft und die Bruttomarge zeigen, ob die Öffnung für fremde Chips Nvidias Preissetzungsmacht stärkt oder schwächt.
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