Nordex legt im Auftragsbuch nach: Der Windturbinenbauer hat in der Türkei neue Bestellungen über 389 Megawatt verbucht. Es ist die zweite größere Orderveröffentlichung innerhalb von zwei Tagen und ein weiteres Signal, dass die Nachfrage jenseits des deutschen Heimatmarkts trägt.
Delta4000 in 56 Anlagen
Die Aufträge gingen im September ein, mitgeteilt wurden sie heute früh. Sie umfassen 56 Turbinen der Delta4000-Serie, jeweils kombiniert mit einem mehrjährigen Service- und Wartungsvertrag. Die Konfiguration richtet sich nach Wind- und Standortbedingungen der einzelnen Projekte, teils einschließlich Energiespeicherung.
Errichtung und Inbetriebnahme sollen schrittweise von 2027 bis 2028 erfolgen. Kunden und Projekte nennt Nordex nicht. Die Türkei bezeichnet der Konzern als einen seiner Schlüsselmärkte, dort unterhält er auch ein eigenes Werk.
Die Serviceverträge sind mehr als Beiwerk. Sie liefern planbare Erlöse über viele Jahre und stabilisieren das Geschäft abseits der zyklischen Turbinenlieferungen.
Auftragsflut, aber schwacher Kurs
Erst am Vortag hatte Nordex Bestellungen aus Süd-, Mittel- und Osteuropa über 228 Megawatt gemeldet. Schon in der Vorwoche waren ein Einzelauftrag über 42 Megawatt sowie Lieferungen nach Frankreich, Portugal und Spanien über 175 Megawatt hinzugekommen. Rechnerisch summiert sich das auf mehr als 800 Megawatt in rund einer Woche.
Die Börse honorierte das bislang kaum. Die Aktie gab am Dienstag zeitweise um rund 1,5 Prozent nach und liegt auf Wochensicht knapp 5 Prozent im Minus. Marktbeobachter verweisen auf gestiegene Anleiherenditen, die Windprojekte verteuern, sowie auf Pläne der Bundeswirtschaftsministerin, den Ausbau in netzschwachen Regionen zu begrenzen.
Technisch rückt die Unterstützung bei etwa 37 Euro in den Blick. Fällt sie, wäre 35 Euro das nächste Ziel. Unterhalb davon würde sich das Chartbild laut Chartanalysten deutlich eintrüben.
Bewertung als Gegenargument
Fundamental argumentieren Befürworter mit der Bewertung. Für 2026 liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei etwa 18, für 2027 wird ein Wert unter 15 erwartet. Wettbewerber Vestas kommt auf 20,3 beziehungsweise 16,1.
Die Zahlen aus der Türkei ändern an dieser Gemengelage zunächst wenig. Sie stützen aber das Argument eines gut gefüllten Auftragsbuchs. Ob die Aktie die 37-Euro-Marke verteidigt, entscheidet in den nächsten Handelstagen über das kurzfristige Chartbild.
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