Nordex hat gestern einen deutlich höheren Auftragseingang im Projektsegment gemeldet. Im dritten Quartal 2026 stieg die bestellte Leistung um 29,5 Prozent auf 2.810 MW. Damit wächst das Neugeschäft kräftig. Für Anleger ist allerdings entscheidend, dass diese Kennzahl das Servicegeschäft ausdrücklich nicht einschließt.
Der Zuwachs beschreibt somit die Nachfrage nach neuen Projekten, nicht die Entwicklung sämtlicher Geschäftsaktivitäten. Ebenso wenig lässt sich daraus unmittelbar auf Umsatz oder Gewinn schließen: Auftragseingang und Ergebnis sind unterschiedliche Größen.
Quartalswachstum übertrifft den bisherigen Jahresverlauf
In den ersten neun Monaten 2026 erreichte der Auftragseingang 7.733 MW. Das entspricht einem Plus von 16,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der prozentuale Zuwachs im dritten Quartal fiel damit höher aus als im bisherigen Jahresverlauf.
Die Nachfrage verteilt sich auf mehrere Märkte. Das ist für die Einordnung wichtig: Die neue Quartalsmeldung beschreibt kein einzelnes Großprojekt, sondern Bestellungen aus unterschiedlichen Ländern.
Kunden orderten im Berichtsquartal insgesamt 427 Windenergieanlagen für Projekte in zehn Ländern. Die stärksten Einzelmärkte waren die Türkei, Deutschland und die USA.
Neue Verträge verbinden Anlagen und Service
Ein im Oktober gemeldeter Einzelauftrag zeigt, wie Nordex das Projektgeschäft mit längerfristigen Servicevereinbarungen verbindet. Solche Vertragsbestandteile ergänzen die Lieferung und Errichtung der Anlagen, gehören aber nicht zur gemeldeten Auftragseingangskennzahl des Projektsegments.
Am 7. Oktober meldete Nordex Aufträge aus der Türkei über insgesamt 389 MW. Vorgesehen sind 56 Windenergieanlagen der Delta4000-Serie. Die Verträge enthalten mehrjährige Service- und Wartungsvereinbarungen und gehen damit über den Anlagenbau hinaus.
Positive Bewertungen treffen auf Skepsis
Die jüngsten Analystenreaktionen fallen überwiegend positiv aus, sind aber nicht einheitlich. Der starke Auftragseingang liefert den optimistischen Einschätzungen ein Argument, beseitigt die Unterschiede bei der Bewertung jedoch nicht.
Medienberichten zufolge bestätigte Jefferies gestern seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 60 Euro. Analyst Constantin Hesse bezeichnete den Quartalsauftragseingang als stark. Berenberg blieb ebenfalls gestern bei einer Kaufempfehlung und einem Ziel von 58 Euro.
Eine weitere, am Freitag veröffentlichte Einschätzung blieb dagegen vor den Quartalszahlen bei einer unterdurchschnittlichen Bewertung mit einem Kursziel von 36 Euro.
Für Anleger liegt die zentrale Unterscheidung deshalb zwischen Nachfrage und wirtschaftlicher Umsetzung. Nordex hat beim Auftragseingang zugelegt; welchen Ergebnisbeitrag die zusätzlichen Projekte liefern, beantwortet die Bestellstatistik allein nicht.
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