Bundeskanzler Friedrich Merz hat bei seinem Besuch in Kiew neue Milliardenhilfen für die Ukraine freigegeben. Insgesamt 1,35 Milliarden Euro fließen in militärische Ausrüstung und den Schutz der kriegsbeschädigten Energieinfrastruktur. Begleitet von Wirtschaftsvertretern unterstreicht die Bundesregierung damit ihren Kurs einer langfristigen industriellen Unterstützung.
Fokus auf Rüstungskooperation und Kraftwerke
Das neue Paket setzt klare Schwerpunkte. Eine Milliarde Euro aus bereits bewilligten Haushaltsmitteln ist für Rüstungsgüter vorgesehen. Im Mittelpunkt steht die Auslieferung Tausender Abfangdrohnen gegen schnelle, düsengetriebene Kampfdrohnen. Parallel dazu soll die Fertigung weitreichender Waffen vorangetrieben werden, um militärische Nachschublinien hinter der Front ins Visier zu nehmen.
Weitere 350 Millionen Euro sind für die Reparatur und den Wiederaufbau zerstörter Kraftwerke bestimmt. Die Dringlichkeit dieser Mittel ist akut: Angriffe auf Kraftwerke und Leitungsnetze gefährden die ukrainische Stromversorgung vor dem anstehenden Winter. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche wurde daher von zehn Führungskräften aus der Rüstungs- und Energiebranche begleitet, um direkte Firmenkooperationen zu vertiefen.
Angriffe während des Kanzlerbesuchs
Der Besuch fand unter konkreten Sicherheitsrisiken statt. Allein in den ersten fünf Stunden löste die Flugabwehr in Kiew fünfmal Drohnenalarm aus. Merz besichtigte unter anderem die Ruine der Akademie der Wissenschaften, die wenige Tage zuvor durch einen Drohneneinschlag schwer beschädigt worden war. Vor Ort appellierte er direkt an den russischen Präsidenten Wladimir Putin, die Angriffe auf die Zivilbevölkerung einzustellen.
Diplomatisch bleibt die Lage festgefahren. Ein Gespräch von Außenminister Johann Wadephul mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow in New York brachte zuletzt keine Annäherung. Berlin setzt darauf, Moskau über anhaltende militärische und finanzielle Unterstützung für Kiew schrittweise an den Verhandlungstisch zu zwingen.
